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Burg, Berge und Strand

Um 8 Uhr gab es wieder ein eher traditionelles, einfaches Frühstück mit Reis, Ei, Lachs und Miso-Suppe. Dann verfrachteten wir unser Gepäck ins Auto und holten den Besuch der Matsumoto Burg nach – heute bei bestem Wetter und morgentlichen 26°C. Da Denises Schuhe von gestern noch feucht waren (Straßenschuhe im geschlossenen Schrank im Eingangsbereich zu lagern ist für Trockenheit und guten Duft eher kontraproduktiv…), lief sie anfangs barfuß – ein Beweis für die Sauberkeit auf Japans Straßen und Gehwegen.
In der Burg konnten wir alle 5 Etagen anschauen – ohne Schuhe versteht sich, die nahmen wir im Plastiktütchen mit. Die Etagen waren zwar meist leer, nur unten gab es Vitrinen mit Gewehren, Pistolen und einer Rüstung, aber Info-Tafeln lieferten interessante Einblicke in die Verwendung der Etagen für die Verteidigung – gewohnt wurde hinter dem Verteidigungsturm. Von den Wohngefilden gibt es heute nur noch Grundrisse im Rasen.
Florian suchte auch 2 Geocaches, konnte aber nur einen um die Burg herum finden.

Mit dem Auto ging es dann auf die lange, finale Etappe. Mehrere Stunden Autofahrt in Richtung Südosten standen auf dem Programm: raus aus den japanischen Alpen und hin zum Fuji (im deutschen auch Fujiyama oder Fudschijama, japanisch Fuji-san) – Japans höchsten (Vulkan-) Berg.
Zum Mittag gab es heute einen bunten Snack aus dem Supermarkt. Der Markt war dieses Mal noch etwas größer als gestern und hatte auch gleich eine Mikrowelle zum Aufwärmen. Gegessen hatten wir dann im Auto mit Klimaanlage. Kurze Zeit später erreichten die Außentemperaturen 38°C auf der Autobahn.

An einem Fuji-See erhofften wir uns ein schönes Foto, aber der ehrenwerte Berg hüllte sich heute lieber in Regenwolken, von denen wir auch noch ein paar Tropfen abbekommen sollten. In Odawara gaben wir das Mietauto wieder zurück, aber erst nach dem wir die Koffer schon im Hotel in Hakone abstellten und noch einen Abstecher an den Pazifik machten. Der Strand war vulkanisch dunkel und die Autobahn verlief direkt am Strand, vermutlich als kombinierter Deich zum Hochwasser-/ Tsunami-Schutz. Das ganze lud also maximal zum Angeln und Rumgammeln statt zum Schwimmen ein.
Mit dem Bus ging es dann wieder von Odawara zurück nach Hakone. Unser Abendessen bestand zum einen noch aus Resten des Mittagessens und zum andern aus neuen Snacks des hiesigen Minimarkts, die wir dann im Hotelzimmer aßen.
Zum Abschluss stiegen wir noch in den (laut Thermometer) 42°C warmen Onsen (er fühlte sich zwar sehr warm, aber nicht so heiß an) und schauten ein wenig Olympia im Fernsehen: es spielte und gewann Japan im Volleyball gegen Argentinien und kommentiert wurde natürlich auch auf japanisch.

Durch die Berge nach Matsumoto

Eigentlich hatten wir heute nur wenige Punkte auf dem Plan und schafften trotzdem „nur“ die Reise nach Matsumoto. Der Rest kam spontan hinzu und sorgte für gute Unterhaltung entlang des Weges. Doch eins nach dem anderen…
Zum Frühstück gab es wieder japanisch für uns Eltern und „westlich“ für die Kinder. Da wir heute den zweiten Tag Frühstück im Ryokan aßen, gab es auch das Menü für den zweiten Tag – Abwechslung mittenmang der Abwechslung. Anschließend packten wir unsere Koffer und füllten das Auto. Doch vor der Abfahrt liefen wir noch kurz zu einer Pagode in der unmittelbaren Nachbarschaft, die wir die vergangenen Tage immer nur aus dem Auto sahen.
Es hatte die Nacht schon geregnet und auf der Fahrt wurde es auch bald wieder feucht. Dadurch hielten sich die Temperaturen heute bei angenehmen 25°C.

Unser erster spontaner Stopp führte uns in einen Supermarkt. Wir wollten doch endlich mal sehen, wie die Japaner einkaufen. Die Regale waren nicht sehr hoch und auch nicht mit Großpackungen bestückt, außer beim Reis. Es macht also den Eindruck, als wenn sie entweder nicht selbst kochen oder eher täglich statt wöchentlich einkaufen. Eine spannende Erfahrung!

Im Supermarkt erblickten wir beim Rausgehen noch ein Werbeplakat von Takayama, welches unter anderem eine Tropfsteinhöhle zeigte. Verwundert suchten wir diese bei Google und fanden sie in kurzer Entfernung direkt entlang unserer Route. Also machten wir an dieser Kalksandstein-Tropfsteinhöhle halt und erkundeten die Berge von unten. Dank des Regens hatten wir unsere Regenjacken an, sonst wären die 11,7°C im T-Shirt etwas frisch geworden…
Nach der Höhle gab es noch etwas lokale Spezialitäten zum Mittag.

Langsam wurde unser Plan, die Burg in Matsumoto anzusehen knapp. Und dann kamen noch ein toller Wasserfall und eine beeindruckende Talsperre entlang des Weges spontan hinzu. Angesichts der spannenden Wegpunkte und des Regens reduzierten wir also unseren Tagesplan auf „Ankunft in Matsumoto“ und schauten begeistert zum Hirayu-Wasserfall hoch und die Nagawado-Talsperre hinunter. Hier konnten wir anfangs gar nicht glauben, dass der Pegelstand tatsächlich 979m zeigte – hatte sich ein Kommafehler eingeschlichen, beziehungsweise ausgeblichen? Der Blick auf die andere Seite zeigte eine beeindruckend hohe Staumauer! Etwas Recherche ergab, dass die Mauer 155m hoch ist und auf 985m über N.N. endet. Daher der „hohe“ Pegel. Ansonsten führte der Weg nach Matsumoto nicht nur über die Staumauer, sondern auch durch zahlreiche Tunnel und stetig bergab.

In Matsumoto haben wir eine kleine Unterkunft in der Stadt. Mit dem Regenschirm ging es noch ein wenig spazieren, eine neue Wasserflasche kaufen und schließlich Abendessen Heute fanden wir spontan ein Koreanisches Grillrestaurant (Korean BBQ). Hier konnten wir uns unser Fleisch und Gemüse selbst über einem im Tisch eingelassenen Gasgrill braten. Der Tisch war übrigens niedrig, aber der Boden unter dem Tisch noch viel niedriger, sodass wir relativ normal sitzen konnten und nicht klassisch japanisch auf dem Boden saßen. Bestellt wurde über ein Tablet, was die Kommunikation ungemein vereinfachte.

Markt und Museumsdorf in Takayama

Unser Ryokan in Takayama ist etwas großzügiger, was die Frühstückszeiten angeht. So konnten wir zwischen 7:00, 7:30 und 8:00 Uhr wählen und entschieden uns für die letzte Zeit. Wir Erwachsenen hatten uns ein japanisches und den Kindern ein westliches Frühstück bestellt. Das hieß für uns große wieder Reis, Miso und Eingelegtes, aber auch spezielles Miso-Hida-Rindfleisch, Ei, Gemüse, Obst, Lachs und Hähnchen. Dazu einen grünen Tee.
Anschließend ging es auf einen Markt am Miyagawa Fluss. Dieser findet jeden Tag von 7 bis 12 Uhr statt und bietet sowohl Handwerkliches als auch Obst und Gemüse an. Das war in sofern mal spannend, weil wir noch keinen so richtigen Supermarkt gesehen haben (wo kaufen die Japaner für ihr eigenes üppiges Essen ein?!) und in den Kiosken wenn denn überhaupt nur abgepacktes Snack-Obst zu bekommen ist.

Vom Markt ging es weiter zu einer Reis-Cracker-Manufaktur, wo wir selbst Hand anlegen konnten. Der Eigentümer erklärte uns brav in japanisch, wie wir die festen Reiskeksrohlinge in knusprig-luftige Reis-Cracker verwandeln können. Zum Glück hatte er eine englische Übersetzung auf einem Zettel, sodass wir trotzdem folgen konnten was zu tun war:

  1. Den Rohling auf die Zange schieben und 10 mal über Hitze hin und her drehen
  2. Den Rohling einmal um 90° in der Zange drehen und noch einmal 10 mal über der Hitze hin und her drehen
  3. Den Rohling abermals um 90° in der Zange drehen und nun so lange über der Hitze rösten, bis kleine Blasen entstehen.
  4. Diese Blasen mit dem Handschuh platt drücken und den werdenden Cracker neu an der Zange befestigen
  5. Nun nicht mehr nur drehen, sondern auch langsam hin und her schwenken, bis er seine finale Form erhalten hat und möglichst nicht verbrannt ist.

Am Ende wurden wir von der Chefin bewertet – die Kinder erhielten jeweils eine 2+, bei uns größeren war es etwas durchmischter: von 1 bis 3 war alles dabei 😉

Dem Mittagshunger begegneten wir mit ein paar Snacks in der Innenstadt – immer vor Ort gegessen versteht sich. Dann holten wir uns noch einen Stempel in der Touristeninformation ab und liefen zurück ins Hotel.

Am Nachmittag fuhren wir mit dem Auto an den Stadtrand in ein Museumsdorf. Hier wurden verschiedene Arten von Häusern aus der ganzen Region wieder aufgebaut und ausgestellt. (Teils gerettet vor Stauseen) Das war spannend zu erkunden. Man muss bedenken, dass wir immer noch in den japanischen Alpen auf fast 600m Höhe sind. Hier fallen über den ganzen Winter im Durchschnitt über 5m Schnee. Die Wände waren jedoch nicht immer ganz dicht und die Papierfenster sicherlich keine gute Isolation. Dafür gab es in jedem Haus mindestens eine Feuerstelle zum Wärmen und Kochen. Der Rauch hat dann auch gleich die Insekten ferngehalten und die Holzwände und Strohdächer konserviert. Gesund kann es für die Bewohner jedoch auch nicht gewesen sein. Zumindest roch man dann nicht den modrig-feuchten Geruch von alten Häusern…

Zum Abendessen gab es dann endlich mal wieder Sushi. Das erste Mal in Japan nicht vom Förderband, sondern nach Bestellung. Wir hatten zum Glück einen Tisch reserviert (dank der netten Hotelrezeptionistin) und uns ein Kartenspiel mitgebracht, da der Personalmangel auch hier zuschlägt und alles etwas länger dauerte, trotz kleinem Restaurant. Nach dem überschaubaren Mittag stürzten sich die Kinder dann auf jedes Stück Sushi wie die Karpfen auf das Fischfutter 😉
Während Denise dann für eine Massage ins Hotel zurück ging, liefen die Kinder mit Mathias noch durch die Altstadt auf der Suche nach einem Nachtisch. Doch um 20 Uhr ist da nicht mehr viel zu bekommen, sodass wir letztendlich bei McDonald‘s landeten und Eis und Milchshake zum Schnäppchenpreis genossen.

Streifenhörnchen in Takayama

Unser Sonntag startete wieder um 7:30 Uhr mit Frühstück im Ryokan. Dann jedoch konnten wir uns etwas Zeit lassen. Wir mussten bis 10 Uhr aus dem Zimmer und hatten mit 2 Stunden eine überschaubare Fahrt vor uns. Von Magome ging es nach Takayama, die ganze Zeit über Land und ohne Autobahnen.
Bevor wir jedoch ins Hotel fuhren, machten wir Stopp an einem kleinen Zoo für Eichhörnchen und Streifenhörnchen. Mit Futter und einem Handschuh ausgestattet ging es ins Gehege. Hier war ordentlich Betrieb – Streifenhörnchen flitzten überall durch die Gegend und sammelten Futter in ihre Bäckchen und sausten damit dann in ihre Verstecke. Einige verbuddelten die Körner gleich an Ort und Stelle und schlossen die Buddelstelle anschließend wieder feinsäuberlich mit Sand und kleinen Steinchen – hoffentlich merken sie sich, wo das war, sonst wachsen bald Sonnenblumen im ganzen Gehege 😉 Die Eichhörnchen hingegen waren faul – Mittagszeit scheint nicht ihre aktive Zeit zu sein. Sie lagen im Schatten und schlummerten vor sich hin, trotz vorbeiflitzender Streifenhörnchen.
Das war eine tolle und zugleich niedliche Erfahrung. Das Gehege war in einem guten Zustand, recht groß und hatte auch komplett abgeschirmte Bereiche für die Streifenhörnchen, falls die Menschen doch mal nerven sollten. Hier konnten wir guten Gewissens die kleinen Flitze-Hörnchen mit Körnern versorgen.

Da nicht nur die Streifenhörnchen hungrig waren, kehrten wir in Takayama bei einem kleinen Italiener ein. Der japanische Eigentümer/Kellner/Koch hatte in Mailand gelernt und uns ganz leckere Pasta und Pizza serviert.
Hier in Takayama haben wir wieder ein Ryokan gebucht. Dieses Mal etwas moderner und größer. Laut TripAdvisor eines der besten 1% Hotels der Welt.
Nach dem Check-in ging es erst zur Waschmaschine und dann nochmal eine Runde durch die Nachbarschaft spazieren, inkl. Eis bei einem Schweizer Müsli-Verkäufer. Im örtlichen Miyagawa Fluss entdeckten wir Kois. Nun fragen wir uns, wie da wohl reingekommen sind. (Auf einer Website der Region hier steht zumindest geschrieben, dass die Kois im Nachbarort Ende November von Hand rausgefischt werden, um in einem speziellen Becken zu überwintern.)
Takayama ist in der Edo-Zeit entstanden und seit langem von großen Feuern verschont geblieben. Somit gibt es noch tolle alte Holz-Kaufmannshäuser in der Innenstadt. Die ganzen kleinen Gassen werden auch heute noch von kleinen Bachläufen gesäumt, sodass es in der ganzen Innenstadt gurgelt.

Das Abendessen hatten wir heute im Ryokan bestellt – ein traditionelles Japanisches Kaiseki Abendessen. In unserem Fall mit 15 Gängen. Anschließend spazierten Denise und Mathias noch einmal durch die dunklen Gassen zur speziell beleuchteten Nakabashi Brücke (nur wenige Tage im Jahr), wovor es in den heißen Onsen ging.

Wanderung von Magome von Tsumago

Im Ryokan ist der Zeitplan ähnlich straff wie im Tempel – um 7:30 Uhr steht das Frühstück auf dem Tisch und die Gäste sitzen hoffentlich pünktlich drumherum. Zumindest gibt es hier kein Telefon im Zimmer zum Wecken 😉 Aber wir waren pünktlich und wieder erstaunt, wie vielfältig das Japanische Frühstück sein kann. Und natürlich auch, wie zeitig die Gastgeber aufstehen mussten, um das alles vorzubereiten.
Heute am Samstag stand eine Wanderung auf dem Programm. Von Magome (gesprochen mit starkem e am Ende – Magomé) führt ein sehr beliebter Wanderweg etwa 8km über den Pass ins benachbarte Tsumago. Dieser Weg ist Teil des berühmten „Old Nakasendo Trails“ von Tokio nach Kyoto über verschiedene Post-Dörfer. Unser Abschnitt startete auf 600m Höhe in Magome, ging hoch auf den Pass auf 800m und dann wieder runter auf 450m nach Tsumago.
Dank des zeitigen Frühstücks liefen wir schon um 9 Uhr los, noch bevor es zu warm und voll wurde.
Der Wanderweg führte uns sehr abwechslungsreich durch Wälder aus Zypressen, Laubbäumen oder Bambus, vorbei an Bächen und Wasserfällen, Reisfeldern und kleinen Häusern. In den Wäldern hier sollen auch Bären leben. Also ließen wir die Snacks zu Hause und schlichen nicht allzu leise durch die Gegend. Außerdem gab es regelmäßig Glocken zum Läuten, damit die Bären rechtzeitig das Weite suchen. Einige Wandersleut trugen sogar ihre eigenen Glöckchen am Rucksack und schellten bei jedem Schritt.
Dank der Wälder liefen wir viel im Schatten und die Temperatur blieb erträglich. Sobald es jedoch in bebautes Gebiet mit Straßen und Häuser ging, lief uns das Wasser aus allen Poren. An einem Bach steckten Denise und die Kinder die Beine ins eiskalte Wasser und am Wasserfall erfrischte uns die Gischt ganz herrlich.

In Tsumago angekommen – gegen halb eins – suchten wir uns erst einmal etwas zum Mittag. Es gab Rindfleisch am Spieß, herzhaften Reiskuchen am Holzstäbchen, gefüllte Teigtaschen und Reisbällchen in einer Art Sojasauce. Von der erfrischenden Wassermelone konnten wir gar nicht genug bekommen. Zum Nachtisch noch ein Eis und etwas Souvenirs shoppen. In der Touristeninfo gab es noch einen Stempel und ein Zertifikat für die Wanderung. 14:22 Uhr brachte uns dann der Bus zurück nach Magome.

In Magome schauten wir auch noch etwas durch die Souvenirläden, holten den Mangome-Stempel und ließen dann den Nachmittag in Ruhe im Ryokan ausklingen.
Pünktlich um 18 Uhr stand wieder ein tolles Abendessen auf dem Tisch. Nach einem Gang in den Onsen mit ausführlichem Duschen kehrte dann auch bald Stille auf den Matratzen ein.

Mit dem Auto ins Legoland und Hinterland

Am Freitag, den 26. Juli hieß es wieder zeitig aufstehen (7 Uhr ging der Wecker), denn wir hatten ein Mietauto für den Morgen bestellt. Also ging es nach dem Frühstück mit Sack und Pack eine Viertel Stunde zu Fuß durch Kyoto. Die Abholung klappte wunderbar und nun flitzen wir mit einem schwarzen Toyota Corolla Kombi auf der linken Seite durch die Gegend.

Unser erstes Ziel fanden wir in Nagoya: das Legoland Japan. Da wir noch nie in einem Legoland waren, dachten wir, wäre die Zeit gekommen. Bei 35°C und auf einen Freitag war es zum Glück nicht sehr voll und die Wartezeit an den Attraktionen sehr kurz. Nach einer kurzen Sandwich-Stärkung ging es mit dem U-Boot in die Tiefsee, dem Safariauto auf Schatzjagd, dem Feuerwehrauto zum Löschen und die Achterbahn hoch und runter. In der Piratenwelt wurde es etwas feucht, sodass wir gerne unsere Badesachen angezogen hätten um noch nasser werden zu können. Mit einem Eis/Slushy erfrischt ging es noch in die Mini-Welt und dann zum Bauen einer eigenen Lego-Figur.

Nach 4 Stunden hatten wir Legoland ausreichend erkundet und machten uns auf nochmal 2 Stunden Fahrt nach Magome. Dieses kleine Dorf liegt auf etwa 600m Höhe in den Bergen auf halben Weg zwischen Osaka und Tokio. Hier haben wir ein „Ryokan“ gebucht, eine typisch lokale Herberge, in der wir wieder auf Matratzen auf dem Boden schlafen – ähnlich der Tempelübernachtung. Nur das Abendessen war reichhaltiger, was Florian und Laura sehr begrüßten 😉

Mit dem Fahrrad durch Kyoto

Wir hatten gehört, dass man in Kyoto gut Fahrrad fahren kann. Also suchten wir uns einen Verleih in der Nachbarschaft und sattelten die Drahtesel. Bei den Temperaturen waren wir auch gar nicht traurig, dass die manuellen 3-Gang-Fahrräder schon vergriffen waren und „nur noch“ E-Bikes zur Wahl standen. In den engen Gassen kamen wir zunächst gut voran und konnten den eingebauten Rückwind testen. Vorbei am Kyoto Tower ging es zunächst über den Fluss hinweg zum Sanjūsangen-dō Tempel. Da gab es 1001 Buddha-Statuen zu sehen – sehr beeindruckend. Die Außentemperaturen waren auch schon wieder beeindruckend, sodass jeder rituelle Waschplatz für Erfrischung genutzt wurde.

Als nächstes Stand der Wassertempel Kiyomizu-dera auf der Route. Merkwürdigerweise auf dem Berg, entfernt vom Fluss errichtet. Wenigstens gab es einen Teich, den ein Japanisches Paar für romantische Fotos nutze. Die Aussicht von hier oben reichte über ganz Kyoto. Auf dem Rückweg zum Fahrradparkplatz gab es noch eine kleine Stärkung und das ein oder andere Souvenir.

Am Yasaka Shintō-Schrein gab es erst einmal eine Erfrischung aus dem Getränkeautomaten und dann überraschenderweise Japanische Comedy, wie wir sie im Theater kennenlernten. Nur dieses Mal ohne Skript, sodass wir nichts verstanden 😉

Der weitere Weg ging stellenweise sehr schön am Wasser entlang. allerdings war das Radeln in den engen Gassen von Gion nicht immer ganz einfach: verwinkelt, eng und mit Verkehr schoben wir das Rad teils mehr, als wir radeln konnten. An einem riesigen Torii vorbei kamen wir zum Heian-jingū Shintō-Schrein. Diesen schauten wir uns jedoch nicht von innen an, sondern besuchten die schöne Gartenlandschaft um den Schrein herum.
Am Kaiserpalast vorbei ging es dann wieder zurück. Dieser hatte jedoch schon geschlossen und das große Areal drum herum hatte nur Kieswege, die natürlich mit dem Fahrrad nicht sehr schön zu befahren waren.

Insgesamt hatten wir eine tolle Fahrradtour. Mit den E-Bikes ging es bequem zum Wassertempel hoch und in der Wärme war die Anstrengung überschaubar und der Fahrtwind etwas angenehm. Als Sport war es jedoch eher nicht zu bezeichnen. Kyoto hat viele, schmale Fahrradwege am Rand der Straßen zumindest gekennzeichnet. Physisch abgetrennt von den Straßen sind diese jedoch nicht und werden auch gern zugeparkt, sodass es dann doch nicht so nett war auf den großen Straßen zu fahren. In den engen Gassen war es dann schnell mit Autos, Fahrrädern und Fußgängern überfüllt. Gut war, dass man meist auf den Gehwegen fahren durfte, sodass wir den Autoverkehr mieden, uns aber dafür auf den engen Wegen mit Fußgängern quetschten. Auch darf man sein Fahrrad nicht einfach irgendwo abstellen – sie würden wohl sehr schnell vom Ordnungsamt „abgeschleppt“ werden. Dafür gibt es dann dedizierte Fahrradparkplätze, die manchmal kostenfrei und oft gebührenpflichtig sind (0,6 bis 1,2€ pro Fahrrad).
Insgesamt sind schon noch einige Japaner mit dem Fahrrad unterwegs (sehr oft mit Elektroantrieb), was uns angesichts der hochsommerlichen Temperaturen doch positiv überraschte – es muss nicht immer das Auto sein, erst recht nicht in der engen Innenstadt Kyotos.

Abends liefen wir dann zum mittlerweile dritten mal zum Nishiki-Markt. Am ersten Tag liefen wir hier durch und sahen viele tolle Essenstände, hatten aber wenig Zeit. Am zweiten Abend waren wir zu spät und alle Stände hatten schon geschlossen. Nun waren wir gerade noch rechtzeitig da, um noch die ein oder andere Spezialität auf die Hand zubekommen. Scheinbar wird hier pünktlich 18 Uhr Feierabend gemacht, was zeitlich etwas unpassend für das Abendessen scheint… Zum Sattwerden ging es dann noch einmal in den Gyoza-Laden vom Vorabend.

Kyoto

Den Weg nach Kyoto versüßten wir uns zunächst noch in Osaka Namba mit einem kleinen Vesper. Dann ging es mit der U-Bahn nach Osaka Umeda und dem Express nach Kyoto. Hier begrüßte uns zunächst ein ganz anderes Bild – die Gassen sind kleiner und noch weniger grün. Unser Hotel ist recht neu und unser Zimmer gerade groß genug für 4 Matratzen.
Kaum im Hotel angekommen, machten wir uns gleich wieder auf den Weg. Montagabend stand noch etwas Kultur auf dem Plan und vorher wollten wir noch Sushi zum Abendessen genießen.
19 Uhr besuchten wir das Gion Corner Theater, wo uns verschiedene lokale Traditionen wie die Teezubereitung, Musik, Tanz und Comedy vorgeführt wurden. Das war schön anzusehen und doch bleibt die Frage, ob solche kulturellen Aspekte noch Teil des heutigen japanischen Lebens sind. Gion ist übrigens ein Stadtbezirk in Kyoto und auch als Geisha-Viertel bekannt. Hier sind die Häuser alle etwas älter und kleiner und es gibt viele Restaurants.

Mittwochmorgen hieß es nach der Tempelnacht wieder Ausschlafen – naja, zumindest mit Wecker bis 8 Uhr 😉 Frühstück gab es à la Carte.
Vom 17. bis 24. Juli fand das Gion Festival statt. Heute, am 24., gab es eine Parade mit toll gestalteten Wagen – das ließen wir uns natürlich nicht entgehen.
Nach einigen Paradewagen machten wir uns auf den Weg gen Südwesten, zum Shintō-Schrein Fushimi Inari-Taisha. Pünktlich zur Ankunft begrüßte uns unser erster Regen in Japan. Leider sorgte dieser nicht für Erfrischung, sondern nur eine massiv erhöhte Luftfeuchtigkeit, während uns die ~30°C den Schweiß auf die Stirn trieb. Mit Schirm ging es los zu einem mit Toriis dicht gesäumten Weg. Der eigentliche Schrein war oben auf dem Berg, den wir angesichts des Gewitters und der Temperaturen dann nicht aufsuchten.

Zurück in der Innenstadt legte sich Denise im Hotel etwas hin und die anderen drei machten sich auf die Suche nach Mittagessen. Leider sind die Kinder der japanischen Küche noch nicht sehr aufgeschlossen, sodass es Hamburger und Schokoerdbeeren gab. Frisch gestärkt nahmen wir, nun wieder zu viert, den Bus gen Nordwesten. Hier gab es den Kinkaku-ji Tempel mit einer goldenen Pagode zu bestaunen. Diese liegt sehr fotogen in einem Park eingebettet.

Mit dem Bus ging es wieder zurück ins Hotel, wo erstmal ein bisschen „chillen“ angesagt war. Währenddessen kam ein kleiner Umzug vorbei.
Abendessen gab es nach ein wenig Sucherei in einem Gyoza-Restaurant. Das sind kleine, gebratene Teigtaschen. Hier konnten wir direkt an der Küche am Tresen sitzen und bei der Zubereitung zusehen. Lecker!

P.S.: Noch eine kleine Story zum Zugbegleiter im Kyoto-Express. Grundsätzlich öffnete und schloss er die Türen des Zuges. Er überwachte die Bahnsteigkante bei der Ausfahrt aus dem Fenster gelehnt mit dem Daumen am Not-Aus-Knopf. Auch führte er Durchsagen durch und machte während der Fahrt „prüfende“ Armbewegungen z.B. an Bahnübergängen. Er nahm seine Rolle sehr ernst.
Ein mal jedoch musste er seine Kabine verlassen. Vor der Tür standen jedoch unser und ein anderer Koffer. Doch statt uns zu ermahnen, drängelte er sich vorsichtig durch und entschuldigte und bedankte sich ganz höflich, dass wir ihn durchließen und den Koffer etwas zur Seite rückten. Bei der Rückkehr in die Kabine das gleiche Spiel. Undenkbar in Berlin! 🙂

Der Morgen in Koyasan

Die Nacht endete, zumindest für uns Erwachsene, zeitig kurz vor 6 Uhr. Denn ab 6 Uhr fand das Morgengebet statt. Wir verfolgten etwa 50 Minuten Mönchsgesänge (Sutras) und anschließend noch ein paar persönliche Worte zu uns vom obersten Mönch unseres Tempels (an seiner roten Kluft zu erkennen). Ein (vermutlich amerikanischer) Mönch übersetzte wo nötig ins Englische und führte uns noch kurz durch die Andachtshalle, wo zahlreiche kleine, goldene Stehlen mit Namen standen, die an die Vorfahren erinnern.
Wir Eltern legten uns dann noch einmal kurz zu unseren schlafenden Kindern, doch wurden schon recht bald vom Telefon geweckt, welches uns kurz nach 7:30 Uhr erinnerte, dass doch um 7:30 Uhr das Frühstück begann und man uns schon vermisste. Da wir die Kinder nicht in 4 Minuten aus dem Bett holen, waschen, anziehen und in den Speiseraum bringen konnten, klingelte das Telefon noch ein zweites Mal – im Tempel wird pünktlich und gemeinsam halb Acht Frühstück gegessen 😉
Zum Start in den Tag gab es wieder Reis, Miso-Suppe und Eingelegtes, sowie etwas Pilze und Tofu aus einer Brühe, und Tee. Die Kinder waren nicht sehr überzeugt…

Nach dem Frühstück legten wir uns abermals hin, aber nur für eine halbe Stunde. Dann schlossen wir die Koffer und stellten sie nach dem Check-out im Tempel unter, damit wir leicht bepackt mit dem Bus nochmal zum Friedhof fahren konnten. Am Tag war der Friedhof genauso imposant. Der Guide gestern meinte, dass hier etwa 200.000 Menschen „begraben“ sind. Hier in Koyasan wird nur der zweite Wirbelknochen beerdigt, da dieser wie ein betender Buddha aussieht. Der Rest des Körpers wird verbrannt und ganz normal in der Nähe der Familie/zu Hause begraben. Im Hellen konnten wir heute auch das Mausoleum von Kobo Daishi sehen. Der Gründer des Buddhismus ist noch heute hinter dem Zaun in ewiger Meditation. Allerdings ist es schon 1200 Jahre her, dass ein Mönch nachschaute. Morgens 6 Uhr und 10:30 Uhr gibt es Mahlzeiten für Kobo Daishi. Die Zeremonie für die Mittagslieferung hatten wir uns angesehen: dafür wird von der Küche des Friedhofs eine Kiste mit Essen in die Halle vor dem Mausoleum getragen, wo dann wiederum von Mönchen Sutras gesungen/gebetet werden. Kobo Daishi verfolgt also strenges Intervallfasten und überhaupt kommt er an seine Mahlzeiten gar nicht ran, wenn er hinter dem Zaun hinter der Halle im Mausoleum ewig meditiert 😉
Nach einem Spaziergang über den Friedhof kehrten wir noch in einem kleinen Café ein, um die hungrigen Mäuler zu stopfen (der Frühstück war ja nicht für alle so ergiebig…) und für die Reise nach Kyoto gerüstet zu sein.

Dann ging es wieder mit dem Bus zur Standseilbahn, mit dieser herunter vom Berg und weiter mit zwei Zügen nach Osaka. In dieser Richtung war es deutlich ruhiger um Zug – schlafen wie ein Mönch scheint nicht annähernd so erholsam zu sein wie im königlich gebetteten Zuhause 😉

Koyasan

Am Montagmorgen ging wieder die Geschäftigkeit in Osaka los. Überall gingen Geschäftsleute ihrer Wege und beim Frühstück war es fast leer. Arbeitswoche halt – aber nicht für uns. Wir verließen Osaka und fuhren mit U-Bahn, Zug, Zug, Seilbahn und Bus nach Koyasan. Koyasan ist ein kleiner Ort in den Bergen südlich von Osaka (ca. 800m über NN) und voller Tempel. Unterwegs sahen wir saftig grüne Wälder (die Regenzeit endete erst vor unser Ankunft in Japan) und teils etwas heruntergekommene Bahnhöfe.
In Koyasan angekommen stellen wir unser Gepäck im Übernachtungs-Tempel ab und gingen erstmal auf die Suche nach Essbarem. Das erste Café war leider voll, sodass wir ein paar lokale Süßigkeiten probierten und dann noch ein Sandwich genossen.
Klimatisch ist es hier auch recht warm, aber mit „nur“ 29°C nicht ganz so heiß wie Osaka.
Wir hatten eine Tempel-Übernachtung gebucht und bezogen am Nachmittag unser Zimmer – erst nur mit einem Tisch ausgestattet.

Nach dem Check-in nutzen wir die Chance und besuchten den leeren Onsen. Dazu zogen wir uns Yukata an (wichtig, die rechte Seite liegt am Körper an, denn die Toten werden andersherum gewickelt), duschten uns im Sitzen ab und gingen in das heiße Bad – den Onsen. Und heiß ist hier wirklich Programm! Der Damen-Onsen war Laura zu heiß und selbst die Jungs hielten es nur kurz aus. Anschließend wird wieder geduscht, inkl. Haare waschen. Auf dem Zimmer haben wir übrigens keine Dusche.

Frisch gereinigt spazierten wir noch eine kleine Runde durch die Nachbarschaft und bestaunten die Große Zentrale Pagode. Denise und Laura gingen auch hinein kurz bevor sie um 17 Uhr geschlossen wurde.

17:30 Uhr wurde das Abendessen in unserem Tempel serviert. Es gab ein Menü mit 9 Gängen, vegetarisch-buddhistisch. Ganz klassisch essen die Mönche meist nur ein Dreierlei aus Reis, Miso-Suppe und eingelegtem Gemüse.
Während wir aßen, wurde unser Zimmer in ein Schlafgemach „umgebaut“. Die Kopfkissen waren übrigens eher eine Art festes Kirschkernkissen (vielleicht auch Reis oder Holzpellets oder Kunststoffperlen).

Nach dem Abendessen machten wir uns noch einmal auf den Weg durch Koyasan – am anderen Ende des Dorfs liegt Japans bedeutendster Friedhof. Wenn das kein guter Grund ist, mal im Dunkeln rüber zu wandeln 😉

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