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Unterwegs an der Westküste der USA 2014

Unvergesslich!

Nach 50 Tagen, 3610 Meilen (5810 km), unzähligen Eindrücken, „nur“ 25 Burgern und mit 79kg Gepäck plus Buggy ist unser Familien-Abenteuer zu Ende gegangen. Mittlerweile haben wir auch den Jetlag überwunden, viele viele Waschmaschinen gewaschen und die Post und den Schreibkram von 7 Wochen Abwesenheit bearbeitet. Wir sind also wieder angekommen. Und wie erwartet glücklich wieder ein festes Dach über dem Kopf und Familie und Freunde um uns zu haben. Gleichzeitig traurig, dass unsere Auszeit als Familie mit diesen einmaligen Erlebnissen vorbei ist.

Von einigen hörten wir „So eine große Reise mit zwei kleinen Kindern. Wie schafft ihr das bloß?“
Die Antwort ist: Mit Planung und Organisation und dem Versuch flexibel zu bleiben. Schon im Vorfeld hatten wir uns gut überlegt wohin wir reisen: sicher, sauber, modern und englisch sprachig sollte es sein. Auch das Wohnmobil und die Ausstattung (z.B. Gas-Heizung damit wir es immer warm haben) haben wir mit Bedacht gewählt. Unser extra gekaufter Doppelkinderwagen hat sich auch bewährt. Wenn Floris Beine schlapp waren konnte auch er sich hinsetzen und sogar etwas liegend schlafen.
Vorort haben wir jeden Abend oder noch während der Fahrt die Routenplanung des Tages gemacht. Dabei haben wir immer versucht maximal 1,5-2Std am Stück bzw pro Tag zu fahren und es so gelegt, dass die Kinder möglichst dabei schlafen. Spätestens bei Einbruch der Dunkelheit waren wir auf einem Stellplatz. Ansonsten wurden die Aktivitäten meist so gewählt, dass die Essenszeiten grob gleich waren und entsprechend der Stimmung der Kinder. Wanderungen waren entweder kurz oder kinderwagengeeignet. Auch haben wir sehr viele Spielplätze aufgesucht, und wenn es keinen gab uns mit Steinen, Stöckern und Sand was ausgedacht.
Unterwegs hatten wir immer einen großen Rucksack mit Wickelsachen, Trinken, Obst, Keksen, Brei und Strickjacken bei.
Auf diese Weise haben die Kinder unglaublich gut mitgemacht. Auch gesundheitlich lief alles (bis auf die geplatzte Lippe am Anfang) sehr gut.

Nichtsdestotrotz war das natürlich keine Entspannungsreise und die Bockanfälle eines Dreijährigen sind auch jenseits des großen Wassers die gleichen. Sodass wir abends meist total k.o. waren. Da kostet es schon Überwindung nach dem Kinder ins Bett bringen, Aufräumen und Abwaschen noch Fotos rauszusuchen und Tagebuch sowie Blog zu schreiben. Mir, Denise, sind dabei regelmäßig die Augen zugefallen. (Aber wir sind dran geblieben und sehr stolz und froh, dass wir diese tolle Reise so schön für euch und vor allem auch für uns als Erinnerung dokumentiert haben.)

Auch schränken Kinder die Flexibilität und Möglichkeiten ein. Wir waren selten abends essen, haben keine der großen, spannenden Wanderungen gemacht, sind nicht offroad in der Wüste gefahren, haben keinen Heli-Flug gemacht usw. Ab und zu konnten wir die Umgebung oder Sehenswürdigkeiten auch nicht in Ruhe auf uns wirken lassen. Wenn das kleine Kind Hunger hat oder/und das große Kind Pipi muss, ist auch der Grand Canyon egal.

Und dennoch: wir können uns die Reise gar nicht ohne die beiden vorstellen. Es gibt so viele Momente die sich uns und vielleicht den Kindern (eher dem Flori) ins Gedächtnis gebrannt haben.

Wenn etwas bei Flori hängen bleibt dann wohl die Wasserfontänen des Bellagios in Las Vegas. Wir Eltern werden wiederum nie vergessen wie er gebannt und staunend mit seinen grossen Kinderaugen alles beobachtet hat. Gleiches gilt für die kindliche Aufregung beim Lagerfeuer machen. Das geschäftige Sandburgen bauen am Strand oder die Eröffnung seines Eisladens mit Steinen, Blättern und Sand wo immer es ging. „Mama, willst du ein Eis?“
Auch das Boot fahren in San Francisco fand er so toll, dass er regelmäßig nach dem schlafen erzählt, dass er entweder von den großen „Springbrunnen“ (Bellagio) oder der großen Fähre geträumt hat.
Der Besuch des Antelope Canyon und die Fahrt im offenen Pick-Up wurde auch mehrmals mit seinem Lego nachgespielt.
Unvergesslich was auch wie unser Kleiner mitgeholfen hat wie ein Großer, wenn es um die Wasserbetankung oder Wasserablassen des Wohnmobils ging. Oder wie er an jeder Tankstelle sehr wichtig mit dem Scheibenwischer um das Wohnmobil ging und alle Lampen und Blinker geputzt hat.
Am Morgen kam immer sein verschlafenes „zu Mama und Papa runterkomm“ bevor wir immer ausgiebig alle Mann unten im Bett gekuschelt haben. Hachja mir fiele noch viel mehr ein…

Neben dem Sand anfassen war für Laura wahrscheinlich eher die Zeit mit der ganzen Familie von großer Bedeutung.
Auch die Bindung zwischen den Kindern ist unglaublich gefestigt worden. Aus der Not heraus haben sie viel zusammen gespielt und auf dem Bett rumgetollt.
Laura himmelt Florian nun noch mehr an und Florian reagiert auf Lauras Befindlichkeiten und sowie sie außer Sicht ist, fragt er nach ihr. Ganz niedlich und einprägsam war für uns auch wie die beiden oben im Alkoven rumkicherten, weil sie sich ständig das Trennpolster zwischen Ihnen hin und her schoben obwohl sie schlafen sollten. Ich glaube, da können wir uns noch auf was gefasst machen in Zukunft mit den beiden Frechdachsen.

Was hat uns rückblickend von den Sehenswürdigkeiten am besten gefallen? Das lässt sich nicht sagen. Es waren so unterschiedliche Eindrücke und Erlebnisse: Moderne Großstädte und einsame Weiten; karge Wüste und feuchte, riesige Wälder; hohe Felsen und tiefe Canyons; stille Bergseen und der rauschende Pazifik; und und und.

Es war einfach wunderbar! Und wir sind glücklich, dass wir wieder die Möglichkeit zu solch einer großartigen Reise hatten.

Mal sehen wann es uns wieder in die Ferne zieht…
Bis dann! :held:

Die letzten Tage unseres Abenteuers

Die letzten Tage unserer Reise verbrachten wir erst einmal damit den Highway No 1 bis Santa Cruz zu fahren. Wir checkten zeitig auf einem Campingplatz am Meer ein. Eigentlich war es nur ein Betonparkplatz mit Toiletten, aber dafür nur mit einem Zaun vom Strand getrennt – direkter wäre nass 😉 Wir genossen noch einmal das Strandleben und erlebten einen unvergleichlichen Sonnenuntergang.
Am Montag verabschiedeten wir uns dann vom Pazifik und fuhren weiter in Richtung San Francisco. Zwischenhalt machten wir dann im Big Basin Redwood State Park um die Verwandten der großen Sequoias zu sehen. Die Redwoods werden zwar im Volumen nicht so groß wie die Sequoias aber dafür ordentlich höher. Wir standen dann wunderschön direkt unter solchen Riesen. Durch den Dauerschatten unten auf dem Waldboden war es ordentlich feucht und kühl. Drum wärmten wir uns noch ein letztes Mal am Lagerfeuer.
Und nun stehen wir wieder genau an der gleichen Stelle an der unser Wohnmobilabenteuer begann (und Flori auf die Nase und Lippe fiel) – im Anthony Chabot Regional Park unweit des WoMo Vermieters.
Aber keine Sorge, dass Laufrad ist schon verstaut, ebenso wie die meisten der anderen sieben Sachen.
Morgen bringen wir unser treues Gefährt dann zurück und fahren mit dem Taxi zum Flughafen. Und dann geht’s ab nach Hause. Mit einem lachenden und einem weinenden Auge.

Wohnmobilalltag

Hallo ihr Großen,
Jeder Tag ist bei uns anders, aber heute beschreibe mal ich, Laura, den typischen Wohnmobilalltag aus der Sicht von uns Kindern:

Nachdem ich mehrmals die Nacht (seit einige Nächten auch nur 1-2x) Mama zum Trinken nach oben in den Alkoven gerufen habe, bin ich 5:30Uhr wach und fange an ein bisschen zu erzählen. Vielleicht wird ja mein leise schnarchender Bruder neben mir wach und spielt mit mir!? Doch dann holt mich Mama runter ins Elternbett und dann werde ich doch immer noch etwas müde und schlummer nochmal ein. Das nächste mal wache ich zwischen halb Sieben und halb Acht auf – meist unsanft geweckt von meinem großen Bruder der im Elternbett rumturnt. Zu dritt ist es auf 1,50m schon kuschelig, aber zu viert hat man regelmäßig einen Fuß oder Ellenbogen im Gesicht. Mama und Papa ermahnen Florian immer nicht so doll an mir rumzuzerren, aber ich finde das meistens lustig und muss lachen. Das morgendliche Kuscheln und rumtollen finden wir toll. Seit der Stadt mit den bunten Lichtern haben wir zwei neue Spielgefährten am Morgen – Mickey und Minnie. Die können tolle Kunststücke, sag ich euch!

Mama steht dann meist als erste auf und macht die Wasserpumpe, den Wasserheizer und die Heizung an oder höher.
Während Florian angezogen wird, liege ich über Papas Bauch und gucke aus dem Fenster. Dort gibt es immer was spannendes zu gucken -es sieht jeden Tag anders aus. Zum Glück ist unser Bett immer dasselbe.

Wenn dann irgendwann alle fertig gewaschen und angezogen sind, gibt es Frühstück – zumindest für die anderen 3. Ich darf dann auf dem Bett endlich auch mal allein spielen und hin und herkullern. Seit einiger Zeit habe ich die lustigen Dinger an meinen Beinen entdeckt – meine Füße. Am spannendsten sind sie, wenn keine Socken dran sind, dann wackeln die Zehen so witzig. Und drehen kann ich mich jetzt schon richtig gut und komme so auch an Spielzeug ran was weiter weg liegt. Seit dem baut Mama immer eine Absperrung aus Bettdecken an der Seite wo das Bett offen ist. Nach so viel rumtoben, halte ich dann mein Nach-dem-Frühstück-Schläfchen.

Wenn dann die Cornflakesschüsseln leer sind, bekomm ich auch noch etwas zu trinken und dann geht’s an’s große Aufräumen. Florian holt dann noch kurz seine Spielsachen raus während Mama und Papa Betten machen, aufräumen, Abwaschen, Müll rausbringen, Leiter nach oben in den Alkoven legen etc.
Achja und Zähneputzen für alle nicht vergessen – ich darf ja nun endlich auch mitmachen.
Dann gehen alle nochmal pullern – ich auch, aber bei mir siehts keiner 😉

Wenn wir auf einem Hook-up Platz mit Strom und Wasseranschluss stehen, gehen Papa und Florian dann raus und machen die Schläuche und das Stromkabel ab. Eventuell auch nochmal den Wassertank voll.
Mama macht das Wohnmobil innen startklar – Check ob Fenster und Schränke zu sind, Wasserpumpe aus, Wassererhitzer aus, Heizung aus, ggfs. noch Markise rein, slide out rein.

Und dann geht’s los. Meist ist es zwischen 9 und 10Uhr. Ich finde meinen Sitzplatz ganz nett. Ich kann zwar nicht so richtig rausgucken, aber dafür meinen Bruder angucken. Schon wenn ich reingesetzt werde, lächle ich rüber zu Florian. Während der Fahrt erzähle ich dann was und er erzählt mir auch manchmal was er draußen sieht oder was er gerade von Mama gehört hat. Er sitzt nämlich ganz hoch und kann gut aus dem großen Fenster rausgucken. Er sieht auch Mama. Nur das mit dem sprechen und hören ist bei dem Röhren und Geklapper immer schwierig. Da wird oft von uns hinten nach vorn gebrüllt und dann wieder von Mama oder Papa von vorn nach hinten. Florian fragt oft wo wir hinfahren. Und sagt dann „Schon wieder ein Campingplatz“ oder das er lieber da bleiben möchte wo wir waren. Mir ist das schnuppe- Hauptsache die anderen sind auch da.
Wenn wir länger fahren, schlafe ich bei diesem gleichmäßigen Gerüttel ein. Wenn ich dann aufwache, sehe ich, dass Florian auch manchmal mit seinem Teddy und seiner Zudecke (ein Kopfkissenbezug) eingenickt ist. Meist fahren wir aber gar nicht so lange und unternehmen noch am Vormittag etwas oder machen dann eine lange Pause mit frischer Luft und Mittagessen.
Ich schaffe jetzt schon eine große Portion Brei zum Mittag (ca. 130g). Entweder Mama macht den im Wassertopf warm oder wenn wir unterwegs sind, kommen die Kellner mit dem warmen Gläschen zurück. Das hab ich dann ratzifatzi aufgegessen. Am schnellsten und liebsten esse ich Sweet Potatoe Chicken Dinner. Aus dem Babyfläschen mag ich danach aber nicht trinken. Besser finde ich die Wasserflaschen aus denen auch Mama, Papa und Flori trinken. Die finde ich sowieso spannend und mit denen kann man auch toll spielen. Die knistern so lustig, kullern umher und das Wasser schwappt darin.
Der Rest der Familie isst dann nach mir Mittag. Ab und zu sind wir im Restaurant, dann gibt es sehr oft Burger und Pommes. Mama und Papa sagen, die Burger schmecken hier immer toll und Flori mag nur die Pommes. Wir hatten sogar schon Süßkartoffel-Pommes. Die hätte ich ja gern mal probiert. Sowieso möchte ich jetzt gern immer bei Mama und Papa kosten und mach mich gaanz lang um ans Essen ranzukommen – aber das darf ich meistens nicht. Dabei hab ich jetzt schon zwei Zähne!
Zum Mittag isst Flori mittlerweile lieber Gemüse oder Obst im Restaurant – ich glaube er mag keine Pommes mehr.
Im Wohnmobil isst er meistens gut Mittag. Da gibt’s ja auch oft Nudeln.
Nach dem Mittag gehen wir entweder mit dem Kinderwagen spazieren oder fahren weiter. Im Kinderwagen darf ich jetzt auch schon ein bisschen aufrechter liegen. Da kann ich besser rausgucken, dass ist klasse. Ich sehe auch meinen Bruder vor mir besser. Manchmal dreht er sich um und spielt mit mir. Und wenn nicht, dann drücke ich mit meinen Füßen gegen seine Lehne – das geht immer besser mit der Zeit.
Die Art des Geschaukels (WoMo oder KiWa) ist mir übrigens egal, ich mach erstmal ein Verdauungsschläfchen. Wenn Flori bis jetzt noch nicht geschlafen hatte, schläft er im WoMo jetzt schneller ein als ich. Wenn wir wieder aufwachen, sagen Mama und Papa oft, dass wir da sind. Entweder bei einer Sehenswürdigkeit oder schon auf dem Campingplatz. Manchmal dauert es etwas länger, dann hab ich schon wieder Hunger oder die Nase voll vom fahren. Dann mecker ich ein bisschen. Und dann auch ein bisschen lauter, damit ich vorne überhaupt gehört werde. Wenn Mama nicht gucken kommt, singt mein Bruder mir ein Lied. Das mag ich. Manchmal singen äh brüllen wir auch alle ein Lied.
Wenn es auf dem Campingplatz wieder ein Hook-Up Stellplatz ist, schließen die Männer dann erstmal unser WoMo an und dann geht’s schnell raus, denn es wird jetzt früh dunkel. Um halb sechs ist es hier stockduster. Oft sind wir bis zum Sonnenuntergang unterwegs. Auf dem Spielplatz, im Wald, am
Strand oder oder oder. Jeder Tag ist anders. Aber oft bin ich dann im Manduca dabei. Da kann ich schön von oben gucken, was der Flori macht. Die haben hier in Amerika auch immer Babyschaukeln. Die machen Spaß.

Oft bekomm ich dann als Erste mein Abendbrot. Mama mixt immer was aus Milchpulver, Reispulver und Obstbrei zusammen. Das schmeckt mir so gut, dass ich jeden Haps mit einem „Hmm“ begleiten muss.
Die Großen essen abends oft Sandwich mit Salat. Sogar Flori mit Salat!
Wenn er fertig gegessen hat, will er immer zu mir auf die Liegewiese und wir toben noch zusammen.
Dabei werde ich immer ganz müde – vor allem wenn ich nochmal bei Mama getrunken habe. Dann werde ich bettfertig gemacht. Ab und zu darf ich im Küchen-Waschbecken baden. Flori geht dafür später mit den Großen zum Duschen.
Wenn ich hoch ins Bett komme, ist es meist so um sieben. Von da oben kann man aber so toll runtergucken zum Esstisch und zu Flori, der mit seiner Polizeistation spielt, dass ich erstmal gar nicht mehr müde bin. Wenn Mama oder Papa sich umdrehen und hochgucken, grinse ich einfach ganz breit. Da können sie nicht schimpfen, dass ich noch wach bin.
Manchmal höre ich noch die Gute-Nacht-Geschichte, die Mama oder Papa Florian vorlesen. Aber zu seiner Gute-Nacht-CD schlafe ich immer schon.
Danach macht Papa immer ein Tuch vor das Bett und dann wird es ganz ruhig. Ich hab schon mal heimlich gucken können und gesehen, dass Papa immer was in ein kleines Buch schreibt und Mama auf dem Fotoapparat und dem iPad tippt. Das ist ja sooo langweilig…
*gähn*
Gute Nacht!

Der US-Amerikaner

In den letzten knapp 7 Wochen sind wir dem ein oder anderen Einheimischen begegnet und haben natürlich wieder ganz genau hingesehen, was ihn so ausmacht, den Amerikaner.
Fangen wir mit dem bekanntesten Vorurteil an – alles ist groß: das Land, die Straßen, die Autos. Ja es stimmt, siehe auch den „großen Eintrag“. Auch die Getränke sind hier riesig – vermutlich trinkt der Amerikaner im Durchschnitt täglich mehr als genügend. Auch im Restaurant wird meist kostenloses Wasser gereicht. Leider schmeckt das Leitungswasser jedoch meist nach Chlor 😐 Dafür ist in jeglicher Art Getränk immer ganz viel Eis drin, obwohl es schon eiskalt aus der Zapfanlage kommt. Apropos Restaurant – hier wird man ja zum Tisch gebracht „Wait to be seated“ heißt das Stichwort. Nur leider haben es die Kellner nicht drauf … Wenn man nicht selbst darum bittet, sitzt man schnell am ungünstigsten Tisch, ohne Blick in die Natur und direkt neben anderen besetzten Tischen. Das hat sicherlich einen nützlichen Hintergrund – immer den schönsten Tisch zu vergeben scheint es jedoch nicht zu sein. Hat man dann bestellt geht es meist ratzifatzi – wer, wie wir, mit einem ungeduldigen, hungrigen Sohnemann reist, kann das nur gut heißen. Aber genauso schnell kommt dann die Rechnung. Der Burger ist gerade mal zur Hälfte gegessen da kommt die Frage nach einem Dessert. Wird diese verneint, liegt schon die Rechnung auf dem Tisch – fast immer mit dem Hinweis, dass man sich nicht gehetzt fühlen soll :S Naja, wir sind ja 1. schnelle Esser und sind 2. nach dem Essen fertig, sodass es OK ist, aber etwas dezenter rausgeschmissen zu werden, wär trotzdem nett 😉 Günstigerweise essen auch die Amerikaner eher zeitig, sodass wir mit unserem hungrigen Flori Drei viertel zwölf nicht die ersten beim Lunch im Restaurant sind – im Gegenteil, manchmal sind andere schon fertig ;D Doch auch hier gibt es Ausnahmen, als wir kürzlich 3 vor 12 ins Restaurant kamen, wurden wir mit dem Hinweis begrüßt, dass erst ab 12 geöffnet sei… Wir durften uns trotzdem schon mal setzen.
Allgemein nehmen es die Amerikaner sehr genau. Im Sequoia Nationalpark wurden z.B. nach den Bauarbeiten die Nadeln der Bäume wieder akkurat am Straßenrand drapiert ;D Dafür hat man uns Autofahrer nur einspurig mit Wartezeit an der „Baustelle“ vorbeigeführt – der Amerikaner ist sehr verständnisvoll. Allerdings kennt es keinen Spaß, wenn es um seine Flagge geht. „Stars and Strips“ ist heilig und hängt an allen möglichen Orten in jeder Lebenslage. Je größer, desto besser versteht sich 😉 Fällt eine Flagge zu Boden, muss sie verbrannt werden, aber nur von autorisierten Personen (z.B. Pfadfinder?). Auch gefaltet wird sie in einer ganz bestimmten Art und Weise, wenn sie nicht gerade am Mast hängt.
Es scheint, als wenn der Hamburger ein Nationalgericht wäre. Neben den bekannten Bratern wie McDonald’s und Burger King, gibt es hier noch dutzende andere Ketten. Und jedes Restaurant bereitet zur Mittagszeit Burger. Neben Burgern gibt es auch Sandwiches, Tacos, Hähnchen oder Mac&Cheese in den verschiedensten Variationen und oft zahlreich vor Ort. Will der Einheimische kein Fastfood, muss auch er einkaufen gehen. Lebensmittel sind hier allerdings sehr teuer. Dafür gibt es dann aber in einigen Supermarkt-Ketten Club-Karten (wie Payback), die einen direkten Rabatt mit sich bringen. Die Karte haben wir uns dann natürlich auch gleich mal besorgt – kostet nichts und spart ca. 10% echte Dollar pro Einkauf. Einkaufen und bezahlen sind hier auch zwei Paar Schuhe. Meist sind die Preise ohne Mehrwertsteuer ausgewiesen. Diese kommt dann erst an der Kasse drauf. Vorher durchrechnen scheitert also meist. Einen Sinn darin haben wir nicht erkannt – wir vergleichen selten die Nettopreise zwischen verschiedenen Staaten, um uns für den Kauf zu entscheiden. Die Mehrwertsteuer ist übrigens überall anders – mindestens zwischen den Staaten, wenn nicht sogar zwischen den Counties. Am Ende wird der gesamte Einkauf dann aber meistens in kleine Plastiktüten verpackt. Da hilft meist die Kassiererin und ist sehr großzügig mit den Tüten. Die Gallone Saft kommt nur allein in gleich 2 Tüten, eine könnte ja reißen. Aber auch hier gibt es Vorstöße in vereinzelten Ortschaften, das zu reduzieren – da gibt es dann nur Papier- oder Mehrwegtüten gegen einen Aufpreis.
Hier wird alles anders bemessen, statt Kilometer fährt man hier Meilen, statt Liter trinkt man entweder Gallonen oder fl. Oz., statt Meter ist man Feet und Inch groß und erfrieren tut man hier schon bei 34 Grad – Fahrenheit. Wer genauer hinschaut, sieht jedoch den metrischen Einfluss der Globalisierung: Kleine Wasserflaschen fassen einen halben Liter und Limonaden gibt es in der 2l-Flasche zu kaufen 😉
Allgemein ist festzustellen, dass der Amerikaner ein umgänglicher, rücksichtsvoller Mensch ist. Wohin man schaut, wird auf die Schwachen und Kleinen acht gegeben. Behindertenparkplätze befinden sich vom Strand bis zum Wanderweg, mit Rampen, Rollstuhlangelplätzen und -ferngläsern. Im Restaurant gibt’s gleich was zu Malen und Kinderstühle haben noch nie gefehlt. Nur bei Eintrittgeldern kennt der Kapitalist wenig Gnade. Natürlich kommt man mit Kindern an der Hand schnell ins Gespräch mit Einheimischen. Der Amerikaner ist ja Weltmeister im Smalltalk. Und so zeigt sich auch, dass die U.S.A. sehr eng mit Deutschland verbunden sind. Jeder mit dem man spricht hat entweder
– Wurzeln in Deutschland (x-Generationen her),
– Freunde in Deutschland (z.B. Berlin oder München),
– kennt jemanden aus Deutschland (z.B. der Square-Dance-Teacher),
– war schon mal in Deutschland (z.B. In Augsburg [warum um alles in der Welt ist man in Augsburg, wenn man in Deutschland ist?! – nichts gegen Augsburg, aber gibt es da nicht andere Hotspots?]),
– ist beim letzten Europa-Trip nach Finnland in Frankfurt umgestiegen ?!? oder
– spricht 1-2 Worte Deutsch.
Und wenn er mit keinem der obigen Argumente aufwarten kann, dann hatte er sich vorher schon gedacht, dass wir deutsch sind. Das passiert übrigens ziemlich häufig – haben wir das auf der Stirn tätowiert? 😉 Naja, nun ist unser Akzent schon anders als der Spanische oder Französische. Überhaupt sind wir hier in guter Gesellschaft. Hier so nah an Mexiko und dem Haupteinfallstor für die Asiaten spricht eigentlich fast niemand Akzentfrei – die U.S.A. sind eben ein Schmelztiegel der Kulturen! Einzig die „Indianer“ waren schon immer hier. Doch das hat ihnen bei der Besiedlung durch die Europäer wenig geholfen. Zwar haben sie heute ihre Reservate, in denen sie fast ausschließlich unter ihrer gleichen wohnen, doch sind das nicht gerade die Filet-Stücke des Kontinents. Früher lebten sie natürlich auch an der Küste, aber das Land wollte die Wirtschaft lieber für sich behalten. Vermutlich ist dieses karge Indianer-Land auch der Grund dafür, dass aus unserer Perspektive die Native Americans zur unteren Gesellschaftsschicht gehören. Ihre Hütten sehen eher nach Bruchbuden aus, billiges Fastfood bei McDonald’s ist stark gefragt und damit sind sie eher beleibter als der durchtrainierte Büro-Arbeiter. Wenn es um Eintrittsgelder geht, langen sie ordentlich in die Taschen – vermutlich am Ende zu ihrem eigenen Nachteil, weil dadurch sicherlich Besucher abgeschreckt werden 😐
Auf jeden Fall liebt dieser Schmelztiegel sein Land. So sehr, dass alles schöne bewahrt wird. Es gibt National Parks, State Parks, Regional Parks, County Parks, City Parks, State Beaches, National Forrests, National Monuments und vielleicht sogar noch mehr. Sowas sollten wir in Deutschland auch mal stärker forcieren. Überall gibt es dann meist Campingplätze, Wanderrouten und Ranger, die sich auskennen.
Außerdem sind dies meist Orte der Ruhe – zumindest so lange, bis morgens der Betonmischer kommt. Im Rest des Landes geht es eher laut zu – da kommt morgens um 6 die Müllabfuhr auf den Campingplatz, wohnt man direkt neben der Autobahn oder den Bahngleisen (da hupt der Amtrac an jedem Bahnübergang lauthals) oder am besten gleich zwischen beiden. Und wenn’s dann doch mal ruhiger zugeht, wird der Generator angeschmissen.
Auf dem Stillen Örtchen ist es dann doch meistens ruhiger. Aber überzeugt vom Örtchen ist man scheinbar nicht. Hier entleert man sich ja in wassergefüllte Toilettenschüsseln, doch steht der Pümpel (Saugglocke) sehr oft gleich daneben bereit. Wir haben auch gehört, dass die entsprechende Fachabteilung im Baumarkt ein umfassendes Angebot haben soll, um den Abfluss wieder frei zu bekommen ;D
Um nicht mit solch einem sch*** Thema abzuschließen, bleibt noch die Geduld am Ende. Der Amerikaner hat das Schlange stehen vom Engländer gelernt. Ob an der Baustelle, im Stau, an der Fähre oder am vollen Restaurant – anstehen ist eine Tugend – und wenn es noch so lange dauert, es wird sich keiner Beschweren oder vordrängeln!
So haben wir sie kennengelernt, die Einheimischen, die Amerikaner, die verschiedensten Kulturen. Wir fühlten uns gut aufgehoben, haben die Eigenheiten genossen und in seltenen Fällen auch mal zu unserem Vorteil (aus-)genutzt 😉

Fahren in Amerika

Wir sind nun schon weit über 3000 Meilen auf Amerikas Straßen unterwegs, da wird es mal Zeit über das Auto fahren hier zu schreiben. Grundsätzlich können wir uns glücklich schätzen, dass hier alles etwas größer ist und dementsprechend auch die Straßen meist genügend Platz für unseren großen Straßenkreuzer bieten. Im Vergleich zu z.B. Neuseeland ist das bei dem höheren Verkehrsaufkommen nur gut für die Nerven 😉
Warum ist das Verkehrsaufkommen hier so hoch? Zunächst einmal wohnen hier eine Menge Leute (zur Erinnerung: in Neuseeland gab’s 10mal mehr Schafe als Einwohner). Dann ist das Land und die Entfernungen sehr groß und die Öffentlichen selten so gut organisiert wie bei uns. Kurzum, jeder fährt Auto. Und das ist zu solch einem Luxus geworden, dass der Amerikaner überall hin mit dem Auto fährt (in ländlichen Gebieten natürlich stärker als in Städten). Auf Campingplätzen haben wir schon Bewohner gesehen, die mit einem kleinen Auto vom Wohnwagen zum Müll fuhren auch an den Duschen gibt’s hin-und-wieder Parkplätze. Als Folge dessen gibt es überall große Parkplätze, was unserem großen Wohnmobil natürlich zu Gute kommt. Im Allgemeinen parkt der Amerikaner übrigens vorwärts ein – immer und überall – warum auch immer.
Wenn es um Sachen des täglichen Bedarfs geht, ist man auch schnell mit dem Auto vorbeigefahren – „Drive through“ (bei uns bekannt als „Drive-In“) gibt es nicht nur beim Fastfood, sondern auch beim Briefkasten, der Apotheke oder für den Geldautomat 😯
Und weil es in den Großstädten besonders voll ist, gibt es hier „Car Pool Lanes“ – Fahrgemeinschaftsspuren. Entweder nur gültig in der Rushhour für die entsprechende Richtung oder auch dauerhaft. Fahrgemeinschaft bedeutet, dass mindestens 2 Personen im Auto sitzen müssen. Also hatten wir in L.A. auch gleich mal die Chance genutzt, im Stau schneller voran-/ vorbeizukommen ;D Ist man auf dem Weg zur Arbeit jedoch allein und möchte die Spur trotzdem nutzen, gibt es beschilderte Treffpunkte, ähnlich wie Bushaltestellen, an denen man andere Pendler mitnehmen kann. Das Fahren im Stau kennt jeder, ist meist sehr anstrengend mit einem Schaltgetriebe, daher gibt es hier meist nur Automatik-Autos. Für Mathias sehr angenehm, so kann er sich auf den Verkehr konzentrieren 😉
Das Fahren selbst ist nicht groß anders als bei uns. Zwar sind die Schilder hier ein wenig anders, meist gelb, detailliert gemalt oder gern auch voller Text, den man dann möglichst in rasanter Vorbeifahrt lesen soll. Wobei rasant ja auch relativ ist, in den meisten Fällen darf man auf dem Highway (Landstraße) 55mph (Meilen pro Stunde =88,5km/h), manchmal auch 65mph (=104,5km/h) fahren. Auf den Freeways (meist mehrspurige Landstraße mit Mittelstreifen) bzw. Interstates (Autobahn) meist 65mph aber manchmal auch 70mph (=112,7km/h), selten 75mph (=120,7km/h). Es soll wohl auch Pilotstrecken geben, auf denen 80mph (=128,7km/h) gefahren werden darf. Laut Info von Judy am Anfang sollen die niedrigen Geschwindigkeiten wohl der Sicherheit dienen und wurde zu Zeiten der Ölkrise auf generell 55mph gesenkt. Als eh alle 65mph fuhren, hat man dann schrittweise das Tempolimit wieder erhöht. Mit der Sicherheit ist es spätestens in den Städten vorbei – hier darf meist zwischen 35mph und 45mph (56,3km/h – 72,4km/h) gefahren werden, was dann doch wieder ganz schön flott ist.
Und wenn Fahrradfahrer in abgelegenen Gebieten mit auf der Autobahn radeln dürfen, sind auch 65mph ganz schön schnell… Außerdem darf man hier auch auf der Autobahn rechts überholen – Spurtreue ist somit von Vorteil. Nur nicht zu weit rechts, weil die rechte Spur in häufiger Regelmäßigkeit als Ausfahrt abführt oder endet, sodass man sich dann links einsortieren muss. Abfahrten von den Autobahnen befinden sich meist auf der rechten Seite, aber eben nicht immer – manchmal geht’s auch links ab. Wir hatten es einmal auf dem Highway 1 – einen Grund haben wir dafür nicht erkannt. Autobahnkreuze sind hier besonders in den Städten auch mal etwas größer und als Hochgeschwindigkeitsstrecken ausgelegt, also keine engen Kurven, sondern langgestreckte Brücken auf mehreren Ebenen für alle möglichen Richtungen. Wenn es der Platz hergibt, haben Autobahnen links und rechts einen Standstreifen für Notfälle.
Die Amerikaner kennen leider kein Rechts-vor-Links. Wer zuerst da war, darf zuerst fahren. So gibt es recht oft „4-Way Stops“: Alle Richtungen müssen erst einmal stoppen, anschließend nach der Reihenfolge des Ankommens weiterfahren, egal ob man links, rechts oder gar nicht abbiegt. An sich nicht so schlecht, nur bei etwas mehr Verkehr wird das ganz schnell zum Verkehrshindernis.
Dafür darf man fast immer bei roter Ampel rechts abbiegen.
Aus einem unerfindlichen Grund muss der amerikanische Autofahrer auch an jeder Rechtsabbiegespur erinnert werden, dass er von dieser Spur auch wirklich nur rechts abbiegen darf. Als wenn Spurenführung und Pfeile nicht schon genug Aussage wären, nein da braucht es noch ein weiteres Prosa-Schild. Und all das hält den hiesigen Autofahrer doch nicht davon ab, im Falle des Falschfahrens noch schnell nach Links zu ziehen, gern auch im Autobahnkreuz, wenn die Spuren schon längst abgezweigt sind 😉
Dabei ist der Amerikaner eigentlich ein sehr rücksichtsvoller und geduldiger Autofahrer. Einen hupenden Autofahrer bekommt man äußerst selten zu Gesicht. Wir haben ja gleich zu Beginn unser Reise gelernt, dass Anstellen und Warten Tugenden zu sein scheinen. In Situation, wo der Südeuropäer die Hupe schon zu Tode gedrückt hätte, bleibt der Amerikaner gelassen. Bloß kein Aufsehen erregen oder andere nötigen – vielleicht steckt eine Angst dahinter. So wird man als Fußgänger meist in allen Lebenslagen mit größtmöglichem Warteabstand über die Straße gelassen – keine Klage riskieren, sie könnte das eigene Leben ruinieren. Allgemein wird man überall auf den Straßen über Strafen und Gesetze im Klaren gelassen. So wird die Geschwindigkeit per Radar oder sogar Flugzeug „enforced“ („Einhaltung vollstreckt“), nicht Anschnallen kostet 142$ Strafe (schön runde Summe 😉 ), das illegale Campen 200$ , das Highway zumüllen 1000$. Und wer illegal parkt wird laut Hinweis in jedem Fall abgeschleppt. Überhaupt ist das Parken nicht immer ganz einfach. Zum Beispiel gibt es hier keine Parkscheiben. Wenn also das Parken zeitlich Begrenzt ist (meist Zeiten wie bei uns,1-2h, aber wir haben auch mal 24 [Vierundzwanzig] Minuten gesehen), fährt ein kleines Auto samt Polizist die Straßen ab und markiert die Räder mit Kreide. Schätzungsweise kommt beim nächsten Vorbeifahren das Knöllchen, wenn der Kreidestrich noch an gleicher Stelle ist (vielleicht erklärt das die 24Minuten … Genau so lange dauert vielleicht die Markiererei einmal um den Block herum…). Ein Block bezeichnet hier übrigens den Abschnitt zwischen zwei Straßen. In Reißbrettstädten wie Teile von Chicago ergeben 8 Blöcke eine Meile 😀
Wie anfangs schon beschrieben, sind die U.S.A ein großes Land mit großen Entfernungen. Unser Rekord für eine schnurgerade Straße waren genau 14,5 Meilen, also 23,3km auf der Route 66. Und gerade meint gerade! Ich hätte Tempomat und Lenkrad fixieren und hinten einen Tee trinken können :held:
Und solch lange Straßen müssen natürlich in Schuss gehalten werden. Dementsprechend sind sie gern mal holprig und geflickschustert. Und damit sie nicht vermüllen, werden die Highways zur Adoption freigegeben. Ein jeder kann ein Stück Highway adoptieren und kümmert sich dann um die Müllbeseitigung, inkl. nettem Hinweisschild, welches dann gern als Werbefläche von lokalen Unternehmen genutzt wird.
Wer uns auch fast täglich begegnete war der Schulbus – in der bekannten gelben, länglichen Form. Auch wenn meist keine Kinder drin saßen, ist immer Vorsicht geboten. Entlang der Straßen warnen immer wieder Schilder vor kommenden Schulbus-Stopps. Haltestellen gibt es keine, die Kinder werden einfach rausgelassen, wo sie gerade hinmüssen. Allgemein ist im Schulbereich auch immer Vorsicht geboten. Gern darf man am Highway mit 55mph (=88,5km/h) vorbeirauschen, doch „wenn Kinder anwesend sind“, nur noch 25mph (=40,2km/h) fahren. Einmal wedelte ein Vater an einer Schule ganz aufgeregt mit den Armen, als wir etwas zu schnell angefahren kamen, weil vorher nichts von Schule zu erkennen war.
Ja so sind wir hier gut rumgekommen – mit dem #1 Fortbewegungsmittel. Aber wir haben unterwegs auch viele Fahrradfahrer und Wanderer gesehen, so unsportlich wie man sich den Amerikaner immer vorstellt, scheint er gar nicht zu sein. Nur zur Wanderung hin geht’s halt im Auto 😉

Großes Amerika

Unser fahrbares Zuhause

Dieser Eintrag wird sich nur um unser fahrbares Zuhause mit den Technik- und Ausstattungsdetails drehen. Also für alle die das nicht interessiert, einfach überspringen 🙂

Seit 6 Wochen fahren wir nun also mit unserem Ford Wohnmobil. Von außen sieht man einen großen weißen Kasten mit braunen Streifen und dem Schriftzug Tioga Montara. Erstaunlicherweise steht nirgendwo der Vermieter Apollo. Auch gut – denken alle er gehört uns 🙂 Der weiße Riese ist 12000Pounds (5,4t) schwer und 2,6m breit, 3,45m hoch und 25 Fuß/7,60 lang. Mit diesen Maßen liegt er hier in den USA am unteren Ende der Wohnmobilpalette. Wir hätten beinahe auch einen 27 oder 30 Fuß WoMo bekommen. Zum Glück haben wir auf unserem bestanden, denn ab und zu gibt es Längenbeschränkungen auf Nebenstraßen oder für Stellplätze.
Bleiben wir mal bei der Aussenbetrachtung: das WoMo hat eine große Elektr. Markise, eine Rückfahrkamera, sowie viele Klappen mit Stauraum und den Anschlüssen dahinter. Neben dem Frischwassertank (189l), dem Abwassertank (140l) und dem Toilettentank (140l) verbergen sich auch die Propangasflasche (10Gallonen), ein Außenradio und eine Außendusche sowie der Strom- und Fernsehanschluss dahinter. Außerdem gibt’s auch einen Citywasser-Anschluss, an den wir den Frischwasserschlauch (auf einem Full Hook-up Platz) direkt anschließen können und dann nichts aus dem Tank verbrauchen. Entgegen manch anderen Womos haben wir zum Bedauern von Flori keine Leiter hinten und kein (sichtbares) Reserverad. Bei letzterem wissen wir nicht mal ob wir überhaupt eins haben.
Dafür haben wir einen Slide-Out. Das heißt dass die Sitzecke und der Kühlschrank 50-60cm rausgefahren werden können und das schafft unheimlich viel Platz.

Unter der Haube hat er einen V10 Motor E450 und Automatikgetriebe. Der Handhebel für die Automatik ist hinter dem Lenkrad (wie beim Trabi) und man kann auch 3 Berggänge einstellen, um bergab die Bremsen zu schonen.
Die Amaturanzeigen sind alle in Meilen und getankt wird hinten am WoMo und dies in Gallonen in einen riesigen 208l Tank. Eine Gallone (3,79l) kostet zwischen 3-4$ für Regular ( Normal-Benzin 85-87 Oktan). Da kommt schon was zusammen bei einem Verbrauch von 23-33l auf 100km.

Die Fahrerkabine hat ganze 3 Getränkehalter und viel Stauraum für Reiseführer, Karten und Snacks. Außerdem findet man immer unser mitgebrachtes Navi an der Scheibe. Auf Musik verzichten wir überwiegend, da es erstens kein CD Laufwerk gibt, zweitens das WoMo so laut ist, dass man auch das Radio seeeehr laut einstellen müsste und drittens Flori alle 2 Minuten etwas nach vorne ruft und man ihn sonst noch schlechter versteht als ohnehin schon beim Fahrlärm.

Nun zum Wohnraum in den man praktischerweise direkt aus der Fahrerkabine kommt oder auch durch die Seitentür. Nicht zu übersehen ist der Alkoven über der Fahrerkabine. Er ist mit ca 1,40mx2,00m schön groß, sodass beide Kinder darin bequem schlafen können und auch angenehm hoch, sodass wir Erwachsenen uns dort auch gut bewegen können. Da es überraschenderweise kein Sicherheitsnetz gibt, haben wir uns den Rausfallschutz mit zwei Matratzengittern gebastelt.
Das Hauptbett im hinteren Teil des WoMos ist ca 1,50mx1,80m. Gut dass wir nicht so groß sind… Interessant ist vielleicht noch, dass unsere Bettdecken nicht zur Ausstattung gehören. In dieser gab es nämlich nur ein riesiges Laken und eine 2mx2m Fleecedecke. Mal abgesehen davon, dass das Bettdecke teilen Geschmacksache ist, wäre wir da sicherlich schon oft halb erfroren, hätten wir uns nicht was richtiges besorgt.

Es ließe sich theoretisch auch die Essecke in ein Einzelbett umbauen, aber wir belassen es immer bei der Sitzecke mit den zwei Autositzen. Die Kinder sitzen nebeneinander, Laura entgegen und Florian in Fahrtrichtung. Er sitzt schön hoch, sodass er super rausgucken kann. Beim Essen sitzt er dann auch dort.
Gegenüber der Sitzecke steht ein großer Ledersessel (ja sogar dafür ist Platz 😉 ), den man theoretisch sogar in Liegeposition stellen kann, der praktisch jedoch schon etwas kaputt ist und sogar schon das Plissee am Fenster dahinter zerrissen hat. Apropo Plissee – alle Fenster haben Plissees und Fliegengitter. Und die Tür hat auch eine Fliegentür integriert. Und wenn es dunkel ist, versorgen uns (fast nur) sehr stromsparende LED Lampen.
Unsere Küche besteht aus einer Spüle, einem Gasherd, einem Gasofen, einer Mikrowelle und diversen Schränken. Zur Ausstattung gehören Geschirr, Besteck, Töpfe, Pfanne, Toaster, Wasserkessel, Putzeimer, Handfeger und Müllschippe. Gegenüber und neben der Sitzecke ist der Kühlschrank mit separatem Tiefkühlschrank. Beides funktioniert auch wenn wir nicht an Strom angeschlossen sind.
Das Bad versteckt sich hinten links im WoMo mit Dusche und Toilette und dem Waschbecken vor der Badtür. Da die Dusche eine richtige Duschwanne und -Vorhang hat, wird die Toilette (theoretisch) nicht mit nass. (Solch eine Gesamt-Nasszelle hatten wir ja in Neuseeland gehabt.) Somit lässt sich auch gut darin duschen. Unsere Heizung und der Wassererhitzer laufen beide mit Gas und funktionieren super (bis auf den kleinen Vorfall in St. George).
Die Klimaanlage haben wir bisher nie gebraucht. Ebenso den Fernseher. Wir sind ja abends immer anderweitig beschäftigt…mit Blog und Reisetagebuch schreiben 🙂

Ein Aquarium der Extraklasse

Den heutigen Regentag verbrachten wir passenderweise im Monterey Bay Aquarium.
Nachdem wir 20$ fürs Parken unseres Wohnmobils hinblättern mussten, war Flori heute ausnahmsweise mal nur 2 Jahre alt und wir sparten uns damit 25$ Eintritt für die ab 3-jährigen.
Wie sich später herausstellte wird aber wirklich vor allem den Kleinen viel geboten. Das ganze Aquarium ist sehr interaktiv aufgebaut und überall können groß und klein was lernen, anfassen, mitmachen und bestaunen. Oder wie Flori immer sagte:“ Wo kann ich noch was drücken?“
Besonders toll fanden wir das riesige Aquarium mit den Hammerhaien und die Quallen. Beides aber bitte nur hinter Glas…
Es ist schon nochmal was anderes wenn dort Tiere gezeigt werden, die gleich daneben im Pazifik wirklich leben.
Uns hat es wahnsinnig gut gefallen.So blieben wir bis wir um 17Uhr zur Schliesszeit rausgeworfen wurden.

Wir wollten auch immer mal ins Aquarium nach Berlin, aber nun fragen wir uns ob dies im Vergleich wohl schlecht abschneidet 🙂

Highway No 1 – immer an der Küste entlang

Da wo der Highway No 1 den Pazifik verlässt, führt er an riesigen Obst und Gemüsefeldern vorbei. Natürlich deckten wir uns gleich mal mit etwas lokalem Obst ein. Erdbeeren im November? Daran können wir uns gewöhnen…
In Pismo Beach bestaunten wir die Monarch Falter, die wie tausende Blätter in den Eukalyptusbäumen hingen.
Danach folgte der schönste Abschnitt des Highway No 1: die fast 200km kurvige Küstenstraße zwischen Morro Bay und Monterey.
Die Morro Bay empfing uns mit Regen. Trotzdem waren wir solange es ging am Strand. Papa und Flori wieder beim Burgen bauen und Mama und Laura beim Sanddollar aufsammeln. Weiß eigentlich jemand ob man 1kg Sanddollar ausführen darf? 😀
Auf unserem weiteren Weg wurden die sandigen hellen Strände langsam felsige raue Küstenlandschaft. Hinter San Simeon überraschten uns die Seeelefanten, die ganz nah am Strand und im Wasser waren.
Das Wetter wurde nicht wirklich besser und so tröpfelte es auch auf unserer kurzen Wanderung zum McWay Wasserfall im Julia Pfeiffer Burns State Park. Das besondere an ihm ist, dass er in einer malerischen Bucht direkt auf den Strand bzw. bei Flut ins Meer fällt.
Letzte Nacht standen wir dann in Big Sur unter Redwood Bäumen. Man war das schlammig. Und über trockene Luft können wir uns nun nicht mehr beschweren…
Abends fiel dort im Campingplatz dann auch der Strom aus und es lief nur noch der riesige Generator.
Etwas sonniger war es dann heute in Carmel, sodass wir endlich mal unsere Campingtisch und -stühle zum Mittagessen rausholen konnten. Super lecker unsere Garnelen-Nudeln mit Ausblick auf tosende Wellen.
Der 17-mile drive entpuppte sich leider eher als Rundfahrt zwischen Golfplätzen und mannshohen Zäunen, die Villen abschirmen. Ab und zu gab’s einen netten Ausblick, aber dafür 10$ bezahlen, fanden wir nicht gerechtfertigt.

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