3 Wochen haben wir nun Land und Leute kennenlernen können. Zeit, einen kleinen Überblick in die Besonderheiten zu geben.

Eine Sache, die gleich als erstes erwähnt werden muss, ist die Verfügbarkeit von öffentlichen Toiletten praktisch überall. Sie sind einfach immer und überall zu finden: im U-Bahnhof, im Einkaufszentrum, im Park oder im Tempel. Sie sind immer sauber und kosten kein Geld. Selbst zur Not im Restaurant auf die Toilette gehen kostet kein Geld. Mittlerweile gibt es immer „westliche“ Toiletten, also mit Becken und nur noch selten auch zusätzlich noch Japanische Varianten, also mit Loch im Boden zum Hocken. Die westlichen Toiletten hatten in fast allen Unterkünften eine Dusch-Bidet-Funktion. Selbst in öffentlichen Toiletten sind diese meist zu finden. Auch Desinfektionsmittel für die Brille fanden wir oft auf den öffentlichen WCs. Wenn man sich dann jedoch die Hände gewaschen hat, gibt es in den meisten Fällen keine Möglichkeit, sich die Hände zu trocknen. Eine Kollegin empfiehl für genau diese Situation ein kleines Handtuch dabei zu haben, was viele Japaner immer dabei haben. Eine gute Idee, doch dank der heißen Temperaturen haben wir es meist genossen, die Hände kühlend an der Luft trocknen zu lassen. Der Grund für die fehlenden Trockenmöglichkeiten dürfte im Mülleimer für die Papiertücher liegen. Es gibt praktisch keine Mülleimer auf Japans Straßen. Praktisch nach der Devise „Wo kein Mülleimer ist, da fällt auch kein Müll an“. Der Japaner isst ja auch nicht unterwegs, wo dann Müll anfallen könnte. Wenn man doch an einem kleinen Straßenrestaurant etwas zu Essen kauft, isst man es direkt vor Ort und gibt seinen Müll dann direkt dem Personal zurück. An ein oder zwei Stellen sahen wir mal öffentliche Mülleimer, aber das war schon sehr außergewöhnlich. Selbst Getränkeautomaten haben neben sich immer einen dedizierten Flaschen- und Dosenmülleimer zu stehen. Also direkt vor Ort austrinken und entsorgen. Anderen Müll kann/soll man dort jedoch nicht entsorgen.
Allgemein gibt es unzählige viele Getränkeautomaten. Selbst auf dem Flughafen sind sie noch zu finden. Der Beruf des Auffüllers muss ein großer hier sein. Die Getränke sind auch sehr preiswert – je nach Standort kann es natürlich mal etwas teurer werden, doch unsere Lieblingslimonade kostete in den teuersten Fällen noch immer unter 1€ (160 ¥). An den Automaten war in den meisten Fällen Barzahlung erforderlich. Es hieß also immer etwas Kleingeld in der Hinterhand zu haben. Wenn doch Kartenzahlung möglich war, konnten wir auch mit unseren U-Bahn-Fahrkarten bezahlen. Praktisch!
Barzahlung ist in Japan noch sehr verbreitet. Ein bisschen wie in Deutschland. Natürlich akzeptieren alle größeren Restaurants und Hotels Kreditkarten, aber die kleinen Garküchen auf den Märkten nehmen oft nur Cash. Selbst die U-Bahnfahrkarte konnten wir nur mit Bargeld kaufen und auffüllen. Geldautomaten sind hingegen nicht immer so leicht zu finden oder nur für die eigenen Bankkunden. In den Minimärkten 7Eleven oder FamilyMart gab es aber oft auch einen Geldautomat. Das Abheben kostete uns immer 220 ¥, etwa 1,40 €. Am Flughafen haben wir die allerletzten Münzen in Knabberzeug und eine Flasche Wasser investiert.
Apropos Wasser – das konnten wir überall aus der Leitung trinken. Manchmal schmeckte es jedoch etwas gechlort. Im Restaurant gab es immer kostenlos Wasser – meist auch Leitungswasser.
Wasser zum Schwimmen scheint wiederum keine große Bedeutung zu haben, zumindest nicht in den teuren Innenstadtlagen. Wir hatten intensiv nach Hotels mit Swimmingpools gesucht und nichts gefunden. In den Randgebieten soll es wohl öffentliche Schwimmbäder geben und auf manchem Hausdach sahen wir einen Pool. Ansonsten scheint der Fokus auf dem Onsen zu liegen, also den (im besten Fall von heißen quellen gespeisten) heißen Bädern, in denen Männer und Frauen strikt getrennt und nackt baden gehen. Mit Duschen vorher und nachher und etablierten Regeln, wo das kleine Handtuch wann zu sein hat – in keinem Fall im Onsen-Wasser.

Es gibt wohl täglich mehrere Erdbeben in Japan, aber oft sind sie so schwach, dass man sie nicht spürt. Wir haben in unseren drei Wochen kein einziges Erdbeben mitbekommen. Denise dachte einmal nachts, dass das Bett wackelte, aber online war dann im Nachhinein kein Erdbeben verzeichnet. Wir haben jedoch an vielen Stellen Vorkehrungen dafür gesehen. Die meisten Zimmer hatten eine Taschenlampe installiert, die beim Entfernen direkt leuchtet. Fenster haben rote Dreiecke und dann teils einen Griff zum Öffnen von außen. Evakuierungsrouten sind nicht nur innerhalb der Häuser, sondern teils in entferntere Plätze im Viertel. Im Großraum Tokio gab es Infos, wie hoch etwas über dem Meeresspiegel lag, zur Information hinsichtlich Tsunamis. Hier und da waren Gebäude und Brückenverbindungen anders oder zusätzlich verstärkt, um bei Schwankungen nicht gleich aus den Angeln zu purzeln. Im Falle eines Bebens kann man auch nicht viel machen – unter einem Tisch verkriechen wie im Hollywood-Film ist bei den flachen Tischen hier kompliziert. Aber unser Kollege Martin meinte gleich am Anfang beim Treffen, dass die Gebäude so sicher gebaut seien, da brauch man sich nicht verkriechen. Wir mussten es zum Glück nicht üben.
Die Hotels waren alle immer sehr umfangreich ausgestattet. Wir hätten ohne Zahnbürste und Duschzeug reisen können. Überall gab es Vollausstattung, vom Rasierer, über den Kamm bis zur guten Zahnbürste und Shampoo.

Erfreulicherweise funktionierte hier in Japan ausnahmslos der Tür-Schließen-Knopf im Aufzug. Das beschleunigte die Fahrt ungemein, weil die Türen teils extra lange offen blieben.
Strom-mäßig ist Japan auf einem Sonderweg unterwegs und sich selbst da nicht ganz einig – hier kommen entweder 100 oder 110 Volt aus der Steckdose. Moderne Geräte stecken das zum Glück einfach weg, sodass man sich da gar keine Gedanken machen muss, aber Mathias‘ alter Rasier musste für die Reise einem neuen Modell weichen, um den 3-Tage-Bart in Schach halten zu können. Auch die Steckdosen wurden nicht ordentlich weiterentwickelt. Wenn das Gerät einen Schutzleiter hat, kommt aus dem Stecker ein kleines Kabel, welches dann separat in einen extra Schlitz in der Steckdose gesteckt werden muss. Schon etwas skurril!

Die Japaner sind uns als sehr hilfreiches, zuvorkommendes und dankbares Volk begegnet. Sie scheinen sich auch über die kleinen Sachen zu erfreuen. Wenn wir einer älteren Person in der U-Bahn den Platz anboten, war sie immer ganz erfreut. Ein älteres Ehepaar machte den Kindern im Zug ein mal Platz, damit sie besser vorne rausschauen konnten und freuten sich dann ganz herzlich über die Begeisterung der Kinder.
Die Japaner versuchen immer, das Unbehagen des Gegenüber so gering wie möglich zu halten. Sie entschuldigen sich lieber einmal zu viel als zu wenig und bedanken sich bei jeder Gelegenheit. So ist vermutlich auch zu erklären, dass mittlerweile auch vieles kurz in Englisch untertitelt wird. Wenn auch gerne und häufig kleine Fehler im Englischen zu finden waren – oft schrieben sie es, wie man es spricht, statt wie man es schreibt. Vielleicht wollten sie auch nicht fehlerfrei wirken, um die Erwartungen niedrig zu halten…

Obwohl Tee ein wichtiger Bestandteil der Japanischen Tradition ist, scheint Kaffee auch an den Japanern nicht vorbeigezogen zu sein. Anders lassen sich die vielen Starbucks Cafés nicht erklären. Es scheint auch, als wenn die Gäste (wie auch anderswo) die Café auch gern zum Arbeiten nutzen. Vielleicht haben sie ja selbst zu Hause nicht viel Platz und müssen daher ausweichen.
Auch Minimärkte gibt es wie Sand am Meer. Gefüllt mit allerlei Sandwiches, Salaten, warmen und kalten Snacks sowie Knabbereien laden sie zum schnellen Essen ein. Nur fragen wir uns, wo die Japaner das alles essen, wenn sie nicht unterwegs essen. Vielleicht am Arbeitsplatz. Wir standen dann nicht selten vor dem Geschäft und aßen im Stehen, wenn es keine kleine Essecke im Laden selbst gab.
Gibt es ordentliches Essen, dann scheint aus unser Sicht die Tageszeit eine untergeordnete Rolle zu spielen. In der traditionellen Küche gibt es zu jeder Mahlzeit Reis, Eingelegtes und eine Suppe (das erinnert doch stark an die Mönchs-Küche in Koyasan) und für den „normalen“ Japaner sicherlich noch das ein oder andere kleine Schüsselchen leckerer Beilagen zusätzlich. Gegessen wird mit Holzstäbchen, die hier in Japan übrigens recht schmal nach vorne zulaufen. Das ist möglich, da der Reis hier klebriger ist und damit einfacher mit Stäbchen aufgenommen werden kann. Die Schüssel zum Essen hebt man daher auch nur bis auf Kinnhöhe und nicht bis ran an die Lippe, wie etwa in China. Eine Frage haben wir uns nicht beantworten können: es gibt im Supermarkt Milch und unterwegs Softeis oder andere Milchprodukte. Dabei gelten 97% der Japaner als Laktose-intolerant. Ist dann jedes Milchprodukt immer und überall Laktose-frei? Auf der Milch haben wir keine solche Angabe gefunden. Wir haben sie jedenfalls gut vertragen und geschmeckt hat die Milch von der Insel Hokkaido darüber hinaus auch ganz vorzüglich.

Bekanntermaßen überaltert die japanische Bevölkerung. Die Alten werden immer älter und nicht genügend Kinder kommen nach. Wir haben jedoch durchaus viele Familien gesehen. Oft mit einem Kind, aber auch oft mit bis zu drei Kindern. Und in den Städten sahen wir dann auch durchaus regelmäßig die Mütter mit E-Bikes und Kindersitzen vorne und hinten für den schnellen Transport. Die Kindersitze waren dabei meist sehr vorbildlich mit Hauben ausgestattet zum Schutz vor Regen und Sonne. Allgemein sind die Japaner(innen) viel mit dem Sonnenschirm unterwegs. Auch hier ist der helle Hautton das Maß aller Dinge. Wir haben jedoch auch die Vorzüge dieses Sonnenschutzes kennen und lieben gelernt, da die Hitze mit Schirm besser abzuhalten und damit zu ertragen war. War die Haut dann doch von Sonne und Hitze gestresst, gab es unzählige Drogerien. Und alle waren vollgestopft mit Pflegeprodukten und Kosmetik. Das Äußere scheint also auch in Japan sehr wichtig zu sein.

Diese Übersicht könnten wir vermutlich ewig fortführen. Ganz zu schweigen von all den offenen Fragen (Ist Milch immer Laktose-frei? Macht der Zugführer seine Kontroll-Armbewegungen so intensiv, weil er es so machen muss? Wie gut haben die Japaner unsere japanischen Worte verstanden? Warum gibt es so viel Kobe-Beef zu kaufen, obwohl so wenig geschlachtet wird? Wie groß/klein sind die Wohnungen der Japaner wirklich? Brauchen sie unbedingt Wasser plätschern, um auf Toilette loslegen zu können? etc.).
Aber zum Abschluss machen wir im Japanischen jetzt einen Kreis (statt Haken) unter die Sache machen. Für korrektes oder richtiges Verhalten, zeichnen Japaner einen Kreis. Ungewolltes wird ebenfalls mit einem Kreuz versehen. Ist das Restaurant schon voll, kann das Kreuz auch als Geste aus Armen vor dem Körper gemacht werden.