Heute wollen wir uns auch mal ganz nach alter Tradition Land und Leuten widmen – aus unserer Sicht, wie wir das Leben um uns herum so wahrnehmen. In Neuseeland ist „Kiwi“ ein allgegenwärtiger und vielverwendeter Begriff. Also fangen wir vorne an:

Die Kiwi

Die Kiwi, egal ob grün oder gelb schmeckt auch hier nur im reifen Zustand echt lecker. Zu kaufen gibt es sie an allen Ecken und angebaut werden sie sowohl auf der Süd- als auch der Nordinsel. Doch eigentlich ist die Kiwi keine Ur-Neuseeländerin, sondern die chinesische Stachelbeere, welche hier nach der Einfuhr besonders gut wachsen wollte.

Der Kiwi

Der Kiwi ist ein kleiner, scheuer, halb-blinder, flugunfähiger Vogel. Der Nationalvogel Neuseelands. Ähnlichkeiten mit lebenden Personen sind in diesem Fall hoffentlich nicht zu sehen 😉 Überall ist sein Piktogramm zu sehen, doch in freier Wildbahn haben wir ihn bisher nur als Warnhinweis gesehen – schade. Ein echter Neuseeländer!

Die Kiwis

Die Kiwis sind die Einwohner Neuseelands. Auch sie sind allesamt keine echten Neuseeländer, nur einige (die Maori) waren schon vor den anderen (den Europäern) hier. Die Maori kommen, wenn man die mündlich überlieferten Heldengeschichten ein wenig interpretiert, aus Polynesien und fanden diese beiden Inseln vor über 1000 Jahren. Die Europäer kamen dann im „modernen“ Weltumsegler Schiff vor etwa 250 Jahren nachhaltig hier an. Im Laufe der Zeit haben sie sich recht gut gemischt und ein Volk mit seinen Eigenheiten entwickelt. Hier wollen wir mal von einigen berichten:

  • Die Kiwis kennen keine Kälte. Selbst jetzt, im Spätherbst laufen die Kiwi-Schüler noch mit kurzen Uniformen und in der Freizeit barfuß durch die Welt.
  • Die Uniform zeigt es schon – Auffallen ist unerwünscht! Hier lebt man eher zurückhaltend und ist dem Markenwahn nur begrenzt verfallen. Dementsprechend fielen uns die „alternativ“ gekleideten Jugendlichen schon gleich in Christchurch auf. Ein Paradies für Backpacker, die besonders gern den ganzen Tag im alternativen Schlabber-Look verbringen. 😉
  • Wenn man nicht auffallen will, braucht man auch kein neues Auto. Diese sind sowie viel zu teuer, also kann die alte Karre gefahren werden, bis sie auseinanderfällt. In den Großstädten sieht man zwar auch aktuelle Autos, ansonsten herrschen eher die Modelle der frühen 90er vor. Leider sind diese dann auch nicht die ökonomischsten, wo die Kiwis seit Kurzem doch eigentlich auf der Öko-Welle surfen
  • Ganz entgegen der Öko-Welle ist auch die Form der Heizung. Im eher milden Erdbebengebiet Neuseeland baut der Kiwi gern aus Holz. Dass es dann irgendwann nach Sonnenuntergang doch mal kühler werden kann, wir scheinbar ignoriert. So rauchen die Schornsteine im Dämmerlicht und hüllen ganze Ortschaften in winterlich duftenden blauen Rauch.
  • Die Öko-Welle beginnt hingegen beim Recycling. Nicht wir Deutschen sind Recyclingweltmeister, nein es müssen die Kiwis sein. Auf dem Campingplatz in Athenree begegneten uns
    • 1 x Plastik-Wasserflaschen-Tonne
    • 1 x Plastik-Milchfalschen-Tonne
    • 1 x Alu-Dosen-Tonne
    • 1 x Blech-Dosen-Tonne
    • 1 x Pappe-Tonne
    • 1 x Papier-Tonne
    • 3 x Glas-Tonne (je nach Farbe)
    • 1 x Restmülltonne

    Respekt! Schade, dass wir nur einen klitze kleinen Mülleimer im Wohnmobil haben, der alles auffängt. Aber da jeder Platz anders recycelt und wir das Konzept noch nicht durchdrungen haben, blieben wir zunächst dabei. Ich wüsste gar nicht, wo ich in Hönow die 10 Mülltonnen hinstellen sollte, geschweige denn die Abholzeiten koordinieren würde. Im Zweifel wird der Müll auch hier nur verbrannt – das haben wir auf einem Campingplatz auch schon gesehen… So wird Öko für alle leicht verständlich und jeder hilft mit 😀

  • Aber das nehmen die Kiwis vermutlich auch wieder ganz relaxed. Das ist nämlich ihre Grundeinstellung. Oder doch nicht? Als wir in Lake Taupo an der Touristeninfo parkten und wie gewöhnlich quer gleich 4 Lücken blockierten, kam eine Kiwi-Ordnungshüterin und drohte uns mit einem 60$ Strafzettel, wenn wir nicht sofort wegfahren und maximal eine Lücke füllen würden. So viel war nun auch nicht los auf dem Parkplatz…!
  • Vielleicht kommt man nur so an das Geld, um hinter jeder zweiten Kurve eine Baustelle auf der Straße zu haben, um diese entweder zu erneuern und überhaupt erstmal zu versiegeln. Wahnsinn – so viele Baustellen. Wo kommen nur die ganzen Bauarbeiter her? Und was machen die alle, wenn die Straßen dann mal in Ordnung sind?
  • Expertenüberfluss scheint allerdings nicht zu drohen, denn Neuseeland sucht kräftig nach Studierten, die selbst zum Kiwi werden wollen. Die ganzen einheimischen Kiwis wollen nämlich lieber im Ausland ihr Geld verdienen, als im teuren, schlecht bezahlten Neuseeland. Also wer Lust und Wissen hat, bekommt bestimmt ganz einfach ein Visum 😉
  • Wer ein echter Kiwi werden will, muss dann aber auch am Wochenende zeitig raus aus den Federn und ab in die freie Natur – Sport! Wir stehen ja – Flori sei dank – eher zeitig auf. Doch an den Wochenenden dürfen wir dann die Kiwis vom Frühstückstisch aus bestaunen, wie sie bereits mit dem Kajak unterwegs sind oder die Kinder zum Rugby bringen. Respekt!
  • Auch die Jagd scheint kein unbeliebter Sport zu sein, besonders wenn es um die eingeschleppten „Seuchen“ wie Opossum oder Hirsch und Reh geht. Hier braucht keine Rücksicht genommen werden – weder im Wald noch auf der Straße. Hirsche und Rehe auf der Weide sind hingegen zum Exportschlager geworden. Wird haben uns unseren Weihnachtsbraten schon mal ausgesucht 😉
  • Ob Experte, Sportler oder Jäger – irgendetwas gibt es immer zu tun. Die sicherheitsbewussten Kiwis haben unzählige Schilder am Straßenrand, welche vor jedweden Gefahren im Straßenverkehr warnen oder die nicht enden wollenden Bächlein unter der Straße benennen. Und diese Schilder müssen ja auch geputzt werden, erst kürzlich auf der Rückfahrt vom Cape Reinga beobachtet – von Hand versteht sich, muss ja ordentlich gemacht werden!
  • Für die Sicherheit zu Hause sorgt gern der Hund oder die Ziege, welche dann am Straßenrand am „Ziegenhaus“ festgebunden das Anwesen bewacht. In einem Reiseführer haben wir gelesen, dass die Kiwis wohl erst seit einigen Jahren ihre Häuser und Autos abschließen. Die steigende Kriminalitätsrate hat wohl ein Umdenken gefordert und die Ziege vor neue Aufgaben gestellt. Ob diese auch dem Postboten hinterherjagt?
  • Postbote muss allgemein ein sehr abwechslungsreicher Beruf sein. Die Kiwis wollen zwar in ihrer Erscheinung nicht auffallen, doch beim Briefkasten darf es schon mal außergewöhnlich werden. Neben dem 0815-Standardbriefkasten stellen sich ganz viele Kiwis selbstgebaute „Briefhäuser“, Mikrowellen, Benzinkanister oder aber auch verrostete Tonnen vors Anwesen. In letzterem werden die Rechnungen vermutlich gleich Vorort verbrannt 😉 Leider fliegen die Briefkästen bei 80 km/h auf dem State Highway immer so schnell vorbei, dass wir bisher keinen vor die Linse bekamen. Aber wir werden weiter Ausschau halten!
  • Und zu guter letzt noch der Klassiker eines jeden Deutschen im Ausland – das Brot. Auch die Kiwis können kein ordentliches Brot backen. Zwar bieten sie Brot in aller Variation bis hin zum „Deutschen Roggenbrot“ an, doch fluffig sind sie alle und müssen vor dem Genuss in den Toaster. Eine Besonderheit haben wir gefunden und fotografisch festgehalten. Dazu ein kleines Quiz: Welches Brot ist hier zu sehen?

    • Deutsches Pumpernickel,
    • Französisches Baguette oder
    • Belgische Waffeln?

    Zu gewinnen gibt es das fluffige Brot leider nicht, denn 1.) haben wir es längst aufgegessen und 2.) war die Haltbarkeit bereits mit dem Kauf schon fast abgelaufen 😉