Im Hinduismus glauben die Menschen an 5 Elemente: Erde, Wasser, Feuer, Luft und Äther (Raum), wobei unser Guide „Ras“ das letzte Element immer als „Himmel“ bezeichnet. Diese haben wir heute hautnah erleben dürfen.

Los ging es es bereits vor dem Aufstehen. Der Eltern-Wecker klingelte 4:40 Uhr, was angesichts der Zeitverschiebung kein einfaches Unterfangen war. Auch die Nacht war erwartungsgemäß kein tiefer, durchgehender Schlaf, aber wir kamen gut aus den Federn. Denn um 5:15 Uhr fuhren wir in dezimierter Gruppe mit dem Bus zum Flughafen und starteten 6:15 Uhr zu einem Panoramaflug zum Himalaya und Mount Everest. Der Rundflug dauerte gut 50 Minuten und brachte uns dem Dach der Welt noch einmal ein ganzes Stück näher. Die Schnee-bedeckten Berge ragten imposant in die Höhe und der Mount Everest war in einiger Entfernung gut zu sehen. Unser Flieger hatte zwar eine 2-2 Bestuhlung, aber jede Reihe war links und rechts nur ein mal besetzt und einige Reihen mit verstelltem Blick blieben sogar ganz frei. So konnten wir entspannt auf Hin- und Rückweg zusammen am Fenster die Berge bestaunen. Allerdings kam angesichts des großen Fliegers und der allgemeinen Weite die massive Höhe des Himalayas weniger zur Geltung als gedacht. Beeindruckend war es trotzdem!

Wir waren gegen 8 Uhr zurück im Hotel und gingen erst mal entspannt und lecker Frühstück essen, bevor es 9:30 Uhr wieder los ging. Wir starteten den Vormittag wieder mit einem Spaziergang in der Altstadt, diese Mal jedoch an einer anderen Stelle. Zuerst trafen wir am Durban-Square auf den ehemaligen Königspalast, der bis 1940 bewohnt wurde. 2008 wurde die Monarchie in Nepal komplett abgeschafft. Einige Höfe des Königspalastes sind für Besucher geöffnet, sodass wir ein Blick hinein werfen konnten. Die teils begrünten Höfe fernab der wuseligen Straßen gleichen einer Oase.
Zwischen 11 und 12 Uhr erscheint (mehrmals) die einzige, lebendige Göttin Kumari im Kumari-Tempel. Das konnten wir uns natürlich nicht entgehen lassen. Uns bestaunte ein ca. 3 Jahre altes Mädchen, welches in einem harten Prozess (32 Schönheitsmerkmale, unverwundet, unerschütterlich) für diese Rolle letztes Jahr im Herbst ausgewählt wurde und so lange im „Amt“ bleibt, bis es erstmals Blut verliert (entweder durch eine Wunde oder die erste Menstruation). In der Zwischenzeit verbringt es seinen Alltag wohl behütet im Tempel, fernab der Familie, wird vor Ort unterrichtet und kommt nur ein mal im Jahr zu einem besonderen Feiertag aus dem Tempel heraus. In der täglichen Prozession sind Fotos strengstens verboten.

Aus der Altstadt ging es zum wichtigsten Hindu-Tempel der Welt: Pashupatinath Tempel. Ein UNESCO-Weltkulturerbe. Hier beobachten wir Einäscherungen von Toten. Wer im Hinduismus stirbt, soll möglichst noch am gleichen Tag verbrannt und seine Asche in den Fluss geworfen werden. Vorher werden Kopf und Füße gewaschen, ein Scheiterhaufen aus Holz aufgestapelt und schließlich vom ältesten Sohn in Brand gesetzt. Die Angehörigen verfolgen die gesamte Prozession, welche etwa 3-4 Stunden dauert. Der Brauch will es, dass sich die Söhne anschließend die Haare abschneiden lassen und ein Jahr weiß gekleidet in Trauer leben, ohne Feste und Feiertage. Es war beeindrucken aber auch sehr bedrückend zugleich, dem ganzen Schauspiel zuzusehen. Und drum-herum ging das Leben weiter. Im Fluss wurden die nicht-verbrannten Holzbohlen aufgesammelt. Heilige und scheinheilige Asketen bettelten um Geld, Frauen gaben gegen einen Obolus kunstvolle, rituelle Punkte auf die Stirn, ein Ochse ruhte am Wasser und auf einem dreckigen Sandfeld spielten Kinder Fußball.
Der eigentliche Tempel-Bau darf nur von gläubigen Hindus betreten werden und blieb uns vorenthalten.
Außerhalb des Tempels begegneten wir erstmals Kühen auf der Straße. Diese gehörten aber wohl einem Kuhstall am Tempel an, denn sonst versucht man in Nepal Kühe von den Straßen fernzuhalten – das Unfallrisiko ist einfach zu hoch, trotz Heiligkeit.

Mit dem Bus ging es ein kleines Stück weiter zur Buddha Stupa, oder Bouddhanath Stupa – eine der größten Stupas der Welt.
Hier war es sehr voll, wegen des „Temal Jatra Festivals“ der „Temang Gemeinschaft“, einer kleinen Bevölkerungsgruppe. Wir aßen erst ein mal Mittag auf einer Dachterrasse mit tollem Ausblick auf die Stupa.
Dank des Festivals konnten wir sogar auf die Stupa rauf und wegen des Andrangs sogar mit Schuhen. Auf unseren Gruppenwunsch hin machten wir Stopp in einem Klagschalengeschäft mit Einführung und erfolgreichem Einkauf.

Zum Abschluss des Tages fuhren wir noch in den Norden Kathmandus zum Budhanilkantha Tempel, einem Hindu-Tempel, der Vishnu gewidmet ist. Dieser lag auf einem Bett, von Wasser umgeben und war mal eine andere Art von Tempel. Hier sahen wir zufällig eine Priesterschule beim Gebet. Die Jungen leben hier im Tempel, abseits ihrer Familien und werden als Priester von jung an ausgebildet. Priester werden meist nur Mitglieder einer bestimmten Kaste (obwohl es seit einigen Jahren offiziell keine Kasten mehr gibt).

Wir waren nach einem langen Tag gegen 18:15 Uhr im Hotel zurück. Zu viert gingen wir noch ein kleines Stück die Straße entlang zu einem Grillrestaurant. Es war nicht viel los und Flori etwas flau auf dem Magen, aber das Hähnchen vom Spieß bzw. die Flügel, der gegrillte Käse und die Kartoffel-Wedges waren lecker. Der Spaß kostete uns ca. 10€. Auf dem Heimweg füllten wir noch unsere Snack- und Obstvorräte auf, für 7,50€.

K.o. und müde waren die Kinder um 22 Uhr im Bett, wir Eltern um 23 Uhr. Zeit zum Blog schreiben blieb keine mehr, denn morgen sollte es direkt nach dem Frühstück weiter gehen und dementsprechend die Koffer schon mal gepackt werden.