Wir waren 5 Tage mit dem Mietwagen in Japan unterwegs. Wie es das Reisen mit dem Auto so an sich hat, war das angenehm komfortabel und flexibel, da man nicht ständig zur Bahnstation und sich im Ticket-Gewirr zurechtfinden musste. Allerdings waren wir auch eher auf dem Land unterwegs. Für die Erkundungen in und um Tokio herum hatten wir das Auto lieber wieder rechtzeitig zurückgegeben.
Um als Deutscher in Japan Auto fahren zu dürfen, reichte nicht der deutsche und zusätzlich der internationale Führerschein. Es brauchte auch noch eine Übersetzung ins Japanische, die man in Deutschland nur vom ADAC Süd, bei einer bestimmten Filiale in München bekommen. Zum Glück ging das via Post und ganz unproblematisch.
Die Buchung des Mietwagens bei einem lokalen Anbieter ging nur maximal drei Monate im Voraus und forderte eine japanische Telefonnummer. Zum Glück kennen wir japanische Kollegen, deren Telefonnummer wir einfach angaben 😉 Über online-Mietwagenvermittler hätten wir nicht so einfach das Auto in einer anderen Stadt entlang unser Route abgeben können.
Laura brauchte keinen Kindersitz – in Japan gibt es nur Regeln bis 6 Jahren, wo noch richtige Kindersitze vorgeschrieben sind. Das machte uns das Ausleihen natürlich etwas einfacher.

Wie schon auf diversen Fotos zu sehen war, fahren die Japaner auf der linken Seite und der Fahrer sitzt rechts. Dank unser Jahre in Australien war das aber gar nicht mehr ungewöhnlich und eine schnelle Gewöhnung.
Ganz allgemein war das Fahren sehr angenehm, ruhig und wenig stressig. Die Japaner sind sehr rücksichtsvoll und vorsichtig im allgemeinen Straßenverkehr, sodass wir nie Sorgen haben mussten, wenn wir zu langsam fuhren.
Zum Glück trugen die Orientierungsschilder überall neben japanisch auch lateinische Buchstaben. Zwar hatte uns Google Maps gut geführt, aber Schilder sind dennoch immer hilfreich. Schwierig wurde es bei allen anderen Schildern und Hinweisen am Straßenrand, wenn diese nur rein auf japanisch waren. Da hieß es dann Mut zur Lücke…

Die bequemste Art der Fortbewegung war natürlich die Autobahn. Die kostet hier Maut, welche wir mit Hilfe eines Geräts im Auto elektronisch bezahlen, also einfach langsam durch die Mautschranke durchfahren konnten.
Auf der Autobahn gibt es ein Tempolimit und hier wurde es etwas kompliziert. Zwar war auf Internetseiten zu lesen, dass man wohl 100 km/h schnell fahren darf, aber es gab dafür keine Zeichen. Oft war die Geschwindigkeit sogar nur auf 80 km/h begrenzt. Doch hier endete die japanische Ruhe – auf der Autobahn wurde konsequent zu schnell gefahren (sehr zu unser Freude, da 80 km/h auf Dauer doch ganz schön langsam waren). In Baustellen war oft auf 50 km/h reduziert und die Japaner (und wir hinterher) fuhren dann bis zu 95 km/h schnell.
Im Internet steht auch, dass man in Städten meist 40 bis 60 km/h schnell fahren darf. Doch wenn hier keine 40er Schilder standen, war meist wieder unklar, wie schnell man denn nun fahren durfte. Und ein Ortsein- oder -ausgangsschild haben wir auch nie gesehen, sodass hier maximale Verwirrung für uns herrschte. Am besten war also, wenn wir anderen Autos hinterherfahren konnten. Am Zebrastreifen muss man anhalten und Fußgänger passieren lassen. In Osaka war das nicht immer offensichtlich, doch auf dem Land hielt man sich dran. Auch an beschrankten Bahnübergängen muss man immer stoppen, schauen und darf dann weiterfahren.
Ampeln waren interessanterweise meist horizontal ausgerichtet. Nur selten standen die drei Farben übereinander. Es gab immer eine Ampel hinter der Kreuzung. Die Ampel vor der Kreuzung hing dann über der Gegenrichtung (am gleichen Mast wie die Ampel hinter der Kreuzung der anderen Richtung), sodass man immer genau aufpassen musste, wo man halten muss.
Die Japaner kennen kein recht-vor-links. Allgemein hat die größere Straße Vorrang. In den kleinen Altstadtgassen hatten immer alle Straßen ein Stopp-Schild, sodass es dann auch gegenseitige Rücksichtnahme ankam. Wer zu erst kam, fuhr zuerst.

Die schmalen Gassen waren auch besonders gut für die Japanischen „Kei-Cars“ geeignet. Geschrumpfte Varianten der großen Autos, die maximal 1,4m breit sein dürfen und wohl steuerliche Vorteile haben, neben den Parkplatzvorteilen versteht sich. Auch nach fast 3 Wochen sehen die schmalen Autos noch ungewohnt aus. Parkplätze sind in den dichten Städten natürlich begehrte Mangelware. In den kleineren Städten waren die Gebühren jedoch nicht sehr hoch. In Matsumoto zahlten wir für 24 Stunden parken nur 700 ¥ (ca. 4,40 €). Auch das Tanken war nicht sehr teuer – ein Liter Normalbenzin kostete etwa 170 ¥ (ca. 1 €). Unser Corolla brauchte auch erst am letzten Tag eine Tankfüllung, sodass wir in jeder Hinsicht sparsam unterwegs waren.
Es fahren aber nicht nur Kei-Cars durch Japan, wir haben, sehr zu Florians Freude, auch diverse Sportwagen renommierter Hersteller gesehen. Aber mehr als Status und lautes Brummen bekommt man hier nicht geboten – bei 100 km/h auf der Autobahn zuckt der Tachometer vermutlich kaum. Immerhin brauchen sie keine Sorgen vor Schlaglöchern haben, zumindest wir haben auf der Reise keine gesehen. Die Japaner haben ihre Straßen gut im Griff.