Von Hakone ging es heute wieder mit dem Zug den Berg hinunter. In Hakone-Yutowa hatten wir direkten Anschluss an einen Verbindungszug nach Odawara, wo wir kürzlich das Auto zurückgaben. Heute kauften wir uns Tickets für den Tokaido-Sanyo Shinkansen nach Tokio. Zum ersten Testen buchten wir die bessere Klasse „Green Car“ – hier sind links und rechts jeweils zwei Sitze. In gut 30 Minuten war die Fahrt schon wieder vorbei und für fast 100€ für uns vier gar nicht mal so günstig…











In Tokio kauften wir Tickets für den weiterführenden Tohoku Shinkansen, da heute erstmal das Ziel Nikkō auf dem Plan stand. Ohne Sitzplatzreservierung und für die normale Klasse kostete uns die 52 minütige Fahrt etwas über 80€. Der Bahnhof und Bahnsteig in Tokio waren ordentlich voll. Freitagmittag hätten wir das so nicht erwartet. Im Shinkansen gab es Wagen für reservierte Sitzplätze und Wagen ohne Reservierung. Da wir so kurzfristig die Tickets kauften, waren schon alle Plätze reserviert, also suchten wir uns einen Wagen ohne Reservierung. Bevor wir den Zug, der in Tokio startete, betreten durften, wurde noch schnell einmal durchgewischt und alle Sitzbänke umgedreht, damit jeder in Fahrtrichtung sitzen kann. Dank cleverer Positionierung auf dem Bahnsteig bekamen wir zweier-Sitzplätze (statt dreier-Sitzplätze) und hatten Platz für unsere Koffer in der Gepäckablage. Andere Fahrgäste mussten stehen – die freuten sich dann über unsere freiwerden Plätze in Utsunomiya, wo wir wiederum in einen Regionalzug umsteigen mussten. Dieser letzte Abschnitt brachte uns letztendlich in einer Dreiviertel Stunde nach Nikkō.












In Nikkō ließen wir zunächst unsere Koffer in einem Schließfach am Bahnhof und fuhren mit dem Bus zum Tōshō-gū Schrein. Der hat das am reichsten verzierte Tor Japans und ist das Zuhause der drei berühmten Affen 🙉 🙊 🙈 (hör nichts Böses, sprich nichts Böses, sieh nichts Böses,). Das gesamte Areal war sehr groß. Es gab ein großes Torii am Eingang, eine hohe Pagode, reichlich Gebäude, das verzierte Tor, den Haupt-Schrein und noch einen kleineren Schrein, den man über 160 Treppenstufen erreichen konnte und dessen Zugang von einer schlafenden Katze bewacht wurde. Die Japaner waren also auch vor vielen hundert Jahren schon etwas kitschig 😉















Nach einen Eis fuhren wir zurück zum Bahnhof und weiter mit Sack und Pack per Taxi zur Unterkunft (in der Art eines Ryokans). Dort begrüßte uns wider Erwarten eine Kanadierin, welche die Pension mit ihrem japanischen Mann betreibt, der mal einige Jahre in Darmstadt arbeitete.
Zum Abendessen bekamen wir lecker Hähnchen mit Kartoffelbrei und Gemüse serviert – eine willkommene, westliche Abwechslung.











P.S.: Als ersten Resümé lasst sich verschiedenes über das Bahnfahren in Japan sagen. An sich kamen wir bisher überall hin und meist auch in einer guten Zeit. Wenn wir erst einmal im Zug waren, war es halbwegs bequem, wir fanden Platz für unsere Koffer und Rücksäcke und waren pünktlich auf die Sekunde am Ziel. Was jedoch ein bisschen nervt, ist die Zerstückelung der Bahnunternehmen. Schon die Japanische Bahn (JR) ist in verschiedene Gebiete unterteilt. Daneben gibt es noch unzählige private Bahnunternehmen, die wiederum eigene Bahnhöfe oder zumindest abgetrennte Bereiche haben, sowie eigene Zugverbindungen und Tickets anbieten. Von Hakone nach Nikkō brauchten wir also für 4 Zugunternehmen auch 4 verschiedene Tickets, wobei wir hier und da auch einfach mit unseren elektronischen Fahrkarten einsteigen können. Wenn jeder seinen eigenen Bahnhof hat und verschiedene Strecken bedient, wird die Verbindungssuche hinreichend komplex – je nach Zielsuche (spezieller Bahnhof oder allgemein nur den Ort, kann es schon mal mehrere Verbindungen geben, die zu verschiedenen Uhrzeit vor- und nachteilig sind und natürlich auch unterschiedlich kosten. Manche Verbindungen sind sehr schnell, weil nur wenige Stationen angefahren werden „Limited Express“, aber ein zusätzliches Express-Ticket benötigen. Express, Rapid und Local kostet oft das gleiche (nicht immer), sind aber auch noch unterschiedlich schnell, weil unterschiedliche Stationen angefahren oder ausgelassen werden. Also einfach ein 2 Stunden Ticket kaufen und so weit fahren wie man mag, ist hier leider nicht vorgesehen. Dafür können wir unser elektronisches Ticket aus Osaka („ICOCA“) auch in Tokio und Nikkō für Bus und Bahn nutzen, obwohl hier andere elektronische Tickets ausgegeben werden („Suica“ und „Pasmo“) – das ist sehr komfortabel!
