(Die Australier nennen sich selbst gern Aussies , wie sie so vieles gern abkürzen. )

Heute also einen kleinen Einblick in die Welt der „Aussies“:

  • Die Aussies sind sehr auf ihr Australien bedacht und achten sehr genau darauf, dass die Firmen und Produkte im Warenkorb auch aus Australien kommen. Es gibt sogar ein Logo für „Made in Australia“ und viele kleine Geschäfte schreiben an ihr Schaufenster „Australien Made and Owned“ (etwa: „in Australien gefertigt und in Australischem Besitz). Eine der großen Supermarktketten hat gerade am Wochenende erst ihren Slogan angepasst, um die Australischen Besitzverhältnisse hervorzuheben – es soll keiner auf die Idee kommen, hier handelt es sich um ein ausländisches Unternehmen!
  • Viel Sprechen liegt den Aussies im Blut. Jede Möglichkeit auf einen Smalltalk wird genutzt. Da kann man dann nur hoffen, dass der Aussie keinen deutschen kennt oder der Nachbar in Wiesbaden einen Onkel hat und damit der Small- zum BigTalk wird. Und bei der Vergangenheit als Einwanderland, kennt fast jeder jemanden oder wollte zumindest immer schon mal nach Deutschland reisen… 😉
  • Wenn sie auch gern viel sprechen, effizient darf es dennoch sein, sodass sie gerne abkürzen – nicht nur schriftlich. Da wird der Australier zum Aussie oder das Frühstück (Breakfast) zum Brekki.
  • Und wer viel und kurz spricht, verfällt natürlich schnell in eine ganz spezielle Umgangssprache. Der Gebildete Großstädter ist natürlich recht gut zu verstehen, doch auf dem Land braucht man ein gutes Gehört. Beim Tanken hieß es einmal locker beim Bezahlen „Eighty-Three bucks, mate“ … alles klar. Kostet also 83$ 😉 Mehr haben wir erstaunlicherweise nicht miteinander gesprochen!
  • Und wo wir gerade beim Bezahlen sind – die Aussies in Sydney scheinen es nicht so mit der Mathematik zu haben. Der Taxifahrer zum Hotel rundete die Rechnung großzügig von 41$ auf 35$ ab, wo er doch zu Fahrtantritt einen Festpreis von 45$ angeboten hatte. Im Restaurant gab’s statt 15, freundlicherweise 20$ Wechselgeld und in einem Café wurden günstigere Preise als  ausgepriesen in Rechnung gestellt. Da es bisher immer zu unserem Gunsten war, wollen wir uns mal nicht beschweren 😉
  • Eigenartigerweise ist der Wärme-verwöhnte Aussie auch Kälte-unempfindlich. Zwar jammerte in der Watsons-Bay ein Mädchen bei 16°C, dass es kalt sei und ihr Papa antwortete, es sei Winter, doch dick anziehen muss man sich deswegen noch lange nicht. Die Schuluniform sieht weiterhin kurze Hosen und Röcke vor, die bevorzugte Schuhwahl beim Spazieren sind FlipFlops und ein Pullover engt doch eh viel zu sehr ein. Auch die Babys werden gleich von Anfang an dran gewöhnt – Flori war das einzige Baby weit und breit mit Mütze, egal ob die anderen Baby gerade frisch geschlüpft oder gleichalt waren. Zum Glück hat Flori das noch nicht mitbekommen, sonst wären die Proteste beim Aufsetzen noch größer 😉
  • Die FlipFlops beim Wandern zeigen es schon: Australien mag der giftigste Kontinent der Erde sein, die Aussies lassen sich davon nicht einschränken!
  • Wo sie jedoch aufpassen ist beim Sonnenschutz. Jetzt im Winter ist der UV-Index zwar unter 3 und damit laut Zeitung unbedenklich, doch die Kinderspielplätze sind nicht selten überdacht und die Nachwuchswellenreiter auch im Winter Sonnencreme-weiß im Gesicht.
  • Überhaupt sind die Aussies ein Volk von Wellenreitern. Wer am Meer wohnt, scheint das Brett in jungen Jahren unter die Füße zu bekommen, damit im „Mädchen-beindrucken-Alter“ auch die großen Wellen kein Problem mehr sind. Und auch der Nachwuchs weiß: wer viel Sport im Salzwasser macht, muss ordentlich trinken. Also geht es nach getanem Sport samt Surfboard zu McDonald’s an die Theke… cool-sein endet erst hinter der eigenen Haustür 😉
  • Wer nicht mehr so jung und mobil ist, der fährt dann im Zug auch gerne in Fahrtrichtung. Dafür haben die  Züge extra umschwenkbare Rückenlehnen. Da haben wir nicht schlecht gestaunt, als wir dem älteren Ehepaar Platz machten und diese sich statt uns gegenüber zu setzen einfach umschwenken und selbst in Fahrtrichtung Platz nahmen.
  • Alternativ fährt der Aussie natürlich Auto. Und der Farmbesitzer mit seinem Pick-up nimmt dann natürlich auch seinen besten Freund überall mit hin – den Hund auf der Ladefläche. Da kann der Hund schön die Schnauze in den Wind strecken, ist nicht allein zu Hause und die Sitze bleiben auch noch sauber (ob das im staubigen Outback wirklich der Fall ist?).
  • Und wenn dann die Familie und Freunde und anderen Farmer am Wochenende zusammenkommen steht B.B.Q. (Grillen) hoch im Kurs. Jeder Campingplatz, jeder Aussie-Wohnwagen, jede Stadt hat Barbeque-Plätze im Angebot. Der wahre Aussie grillt sein Fleisch auf einem Gas-Grill. Wir waren da mit unserem Gas-Herd zumindest in einer ähnlichen Kategorie 😉
  • Wenn man dann so schön in der Runde zusammensitzt, kann man sich ja hervorragend über seinen eigenen Stammbaum unterhalten. Der Aussie ist sehr interessiert an seinen Vorfahren. Es gibt sogar Sendungen im Fernsehen, die in der Vergangenheit wühlen. Und wenn dann am Ende ein Sträfling auftaucht, der aus England nach Australien verschifft wurde, ist das keinesfalls ein schlechtes Ende. Der Premier-Minister selbst hat einen Reis-Dieb und eine Taschendiebin in der Familie. Vergleichsweise milde Strafen für solch einen drakonischen Vollzug mit Verschiffung ins unbesiedelte Australien.
  • Auch die Royal-Familie scheint hier ganz hoch im Kurs zu stehen. Jeden Tag gibt’s ein Update in der Zeitung … Frau Merkel muss da leider mit den hinteren Seiten vorlieb nehmen.
  • Und irgendwie muss der Aussie für das teure Leben auch an Geld kommen, also wird gearbeitet. Allerdings sind uns die Arbeitszeiten völlig unklar, da uns zu jedem Tag der Woche (wir waren ja von Freitag bis Montag in Sydney unterwegs) Herrscharen Surfer oder Jogger begegneten. Und macht der Job mal keinen Spaß mehr, wird einfach gewechselt. Caren in Melbourne erzählte uns, dass der Lebenslauf hier keine große Rolle spiele, sondern die Zufriedenheit im Arbeitsalltag im Vordergrund steht. Also einfach den perfekten Job gefunden und dann ab in die Welle – so lässt es sich entspannt leben. 😀