Land und Leute

In guter alter Manier wollen wir euch natürlich wieder berichten, was wir in den letzten Wochen so über die Einheimischen gelernt haben. Es war zwar unsere zweite große USA-Reise, aber man lernt ja bekanntermaßen nie aus…

Hier ist alles etwas größer…

  • 1,9l oder sogar 1 Galone (3,8l) Milch
  • 450g Cottage Cheese
  • 900g Naturjoghurt
  • 450g Butter
  • 450g Wurstaufschnitt
  • Eier im Dutzend, gern auch 5 Dutzend
  • 1 Galone Wasser
  • 500g Rinderfilet
  • Einkaufsregale, gern auch mit vielen Packungen der gleichen Sorte
  • 3l Geschirrspülmittel
  • 200er Pack Müllbeutel
  • 152 Ladungen Waschmitteltabs
  • Kühlschränke – meist inkl Eiswürfelbereiter, selbst bei älteren Modellen, allerdings wenig Ablagen, was wiederum zur Gallone Milch passt
  • Extra breite Herde (trotzdem nur 4 Kochflächen)
  • Darüber eine entsprechend breite Mikrowelle, inkl. Abluft
  • Werbeunterbrechungen – Laura und Flori haben einmal amerikanisches Fernsehen gesehen und sich nach kurzer Zeit beschwert, dass ständig Werbung kommt .. tja, im KIKA kommt halt gar keine Werbung
  • Autos (selbstredend 😉 )
    • Pickups überall
    • Es scheint, als gebe es auf den Inseln hier auch die größte Population an Mustangs und Jeep Wrangler – (dabei würden Hawaiianer nach eigener Aussage nie solche Autos kaufen … die Touristen mal wieder)

Hier ist vieles etwas härter/fester…

  • Französischer Camembert ist nicht streichzart
  • Italienischer Mozzarella ist ziemlich fest
  • Butter (bevorzugt gesalzen) wird kaum weich
  • Joghurt
  • Eierschalen – beim Kochen ohne Anstechen sind uns nur sehr wenige Eier geplatzt – zu Hause ist es mittlerweile anders herum
  • Erdbeeren – man könnte fast meinen, man isst einen Apfel, aber vielleicht ist einfach noch keine Saison (in Kalifornien)

Auf der Straße…

Dank der US-Zugehörigkeit geht es hier sehr gesittet zu. Der Amerikaner ist ja ein eher defensiver Autofahrer und lässt mit Freude andere Autos einschären, abbiegen und Fußgänger werden freundlich rübergewunken. Schilder voller Text gibt es auch auf den Inseln zu Hauf. Beliebt sind All Way Stop-Kreuzungen. Alle Richtungen müssen erstmal anhalten und wer zu erst kam, darf zu erst weiterfahren, egal wie sinnig das sein mag. Ampeln gibt‘s natürlich auch, nur scheinen sie nicht immer den Verkehrsfluss im Sinn zu haben und lassen einen lange auf der Hauptstraße warten, bis alle anderen Richtungen einzeln durchgelassen wurden. Bei Rot darf man immer rechts abbiegen, außer es ist mit einem Text-Schild „No turn on red“ verboten. Teils gibt es extra Rechtsabbiegespuren gänzlich ohne Ampel – sehr gute Erfindung! Nur doof, wenn man im Stau die Kreuzung freihält und sich die Autos von rechts vordrängeln.
Die Entfernungen auf den Inseln sind zumeist auch übersichtlich – zum nächst größeren Supermarkt können es dennoch auch mal 20 Minuten sein. Das nimmt der Hawaiianer scheinbar gelassen und blubbert mit seinem V8 Pickup über den Highway. Der beliebteste Pickup ist übrigens der Ford F-150, gefühlt so groß wie ein deutsches Wohnmobil und damit genau richtig für den einsamen Fahrer mit Hund auf der Ladefläche 😉 Apropos Ladefläche – hier darf man seine Freunde zu Hauf einfach „aufladen“, aber wehe der Fahrer ist nicht angeschnallt! „Click it or Ticket“
Der Zustand der Straßen ist leider nicht immer der beste, was wiederum die hohe Anzahl an Jeep-Mietwagen und höhergelegten Pickups erklären könnte. Daher gibt es auch hier und da Baustellen, aber meist nur von 9 bis halb 4 und dann wird alles bis zum nächsten Tag wieder freigeräumt.
In jedem Fall sind auch die Hawai‘i Inseln sehr Auto-freundlich, oft gibt es eine Straße bis zum Strand mit zahlreichen, kostenfreien Parkplätzen. Einkaufszentren bestehen zum Großteil aus Parkplätzen und jeder Nationalpark schützt Natur und Autofahrer (zahlreiche Parkplätze) 😉

Nützliches und Unnützliches…

  • Die Amerikaner sind gern Freiwillige – Volonteers. Wir trafen sie eigentlich überall – in der Ghosttown, im Aquarium, am Schildkröten-Strand, Robben-Strand, Nationalpark und selbst in Verkaufsständen an der Road to Hana. Einen Beitrag zum Gemeinwohl leisten ist hier Ehrensache – toll
  • Essensabfallschredder in der Küchenspüle – Organische Abfälle kann man hier meist einfach in die Küchenspüle werfen und in den Ausguss spülen. Dann gibt es unter dem Ausfluss einen Schredder und schon hat man keinen Müll, der z.B. Ameisen anziehen könnte. Sehr nützlich, aber in Deutschland verboten (es gibt wohl durchaus überwiegende Vorteile, wenn die Infrastruktur darauf ausgelegt wäre)
  • Lockbox – ein Zahlen-gesicherter Mini-Safe in Form eines Vorhängeschlosses. Die hängt hier meist am Türknauf und enthält den Schlüssel zum Haus – die Zahlenkombi erfahren wir kurz vorher. Surfer schliessen so auch ihren Autoschlüssel sicher am Autotürgriff ein.
  • Zip-lock bags – kleine oder große Frischhaltebeutel mit Zipper – das hält die Ameisen draußen, das Handy trocken, etc. Die gibts hier überall in Massen
  • Geschirrspüler – Mathias‘ Cheffin (Amerikanerin) hatte mal so positive Andeutungen zu deutschen Geschirrspülern gemacht, nun wissen wir warum: die hiesigen sind einfach schlecht. Wir spülen das Geschirr schon vorher unter unmengen Wasser und es kommt trotzdem noch teils dreckig aus der Spülmaschine.
  • Duschen – oftmals kann man nur die Temperatur von kalt nach warm regeln, als Menge kommt dann der volle Strahl aus der festmontierten Brause.
  • Waschmaschinen – An sich waschen sie eher schlecht, aber interessant ist, dass sie meist einen Warmwasseranschluss haben. Damit verlagern sie die Wassererwärmung vom ineffizienten Stromheizer zum günstigen, lokalen Warmwasserbereiter, der eventuell günstig und effizient mit Gas heizt.
  • Herde – sie sind riesig, müssen im Ofen also mehr Raum heizen und haben ihre Regler meist über den heißen Töpfen/spritzenden Pfannen an der Rückseite – Obacht!
  • Höhergelegte Pickups, die ein Trittbrett zum Einsteigen benötigen – wozu braucht der gemeine Amerikaner solch ein Auto?
  • High-Fructose-Corn-Sirup – ein Teufelszeug. Zuckerimporte sind auf Grund von Strafzöllen teuer und daher produziert man hier Zucker aus Mais. Der wird mit einfachen Verfahren in sehr Fruktose-haltigen Zuckersirup umgewandelt. Der macht Cola & Co. schön süß, aber den Konsument keineswegs satt. Damit ist die Umsatzsteigerung und das Übergewicht vorprogrammiert. Viele Produkte nutzen das nun als Werbung, dass sie ohne HFCS hergestellt wurden.

Das Leben auf Hawai’i…

Immer wieder gibt es Farmers Markets, auf denen mindestens frisches Obst und Gemüse verkauft werden. Die haben wir gern genutzt, um z.B. reife Papayas zum guten Preis zu kaufen. Leider gibt es keine Mangos, weil diese erst Ende des Sommers Saison haben, genauso wie Lilikoi – Hawaiianisch für Passionsfrucht/Maracuja. Ansonsten ist es natürlich recht teuer hier. Zum Einen, weil Lebensmittel in den USA allgemein recht teuer sind (die Gehälter sind aber auch dementsprechend höher), zum Anderen, weil vieles nach Hawai’i gebracht werden muss. Naja, und weil der Tourist mit Geld herkommt und es bezahlt 😉
So ganz sicher sind wir uns des „Aloha-Spirits“ auch nicht – irgendwie muss am Ende auch der Hawaiianer sein Geld verdienen, um Haus und Hof zu ernähren und ist hier nicht im Dauerurlaub. Schilder, die selbigen proklamieren, gibt es jedoch zu Hauf in jedem Souvenirladen 😉
Wenn es um‘s Surfen geht, ist der Einheimische natürlich ganz vorn mit dabei – vor, während, nach der Arbeit, so kann man sein können Perfektionieren. (Unsere Hoffnung liegt auf Australien… 😉 ) „Surf“ ist das Englische Wort von Welle – wie kann man diese also „reiten“? (Alles hier beobachtet)

  • Nur mit dem Körper – Bodysurfing. Die wohl ursprünglichste Art des Surfens
  • Mit dem Brett auf der Welle – Surfing
  • Mit dem Bodyboard, liegend oder teils sogar kniend von der Welle weg/durch die Welle durch, meist mit kleinen Flossen an den Füßen – Bodyboarding (das machen die Profis)
  • Mit dem Boogieboard, welchen es günstig an jeder Ecke gibt. Das ist für den Anfänger im Spülsaum – Boogieboarding
  • Mit dem kleinen Brett (Skimboard) im Sand/Spülsaum gegen die Welle und dann mit dieser zurück auf den Sand – Skimboarding
  • Das ganze funktioniert auch mit dem Bodyboard (dann sollte man die Flossen am Strand lassen 😉 )
  • Als Windsurfer
  • Als Kitesurfer
  • Und falls all die Varianten langweilig werden, kann man noch sein Surfboard mit einer Tragfläche tunen und „Foiling“ betreiben. Dabei hebt die Tragfläche das Surfboard, Windsurfboard oder Kiteboard aus dem Wasser und man fliegt regelrecht – das ist wohl besonders bei wenig Wind / kleinen Wellen vorteilhaft wegen der geringen Reibung.
  • Und wenn das immer noch alles Kinderkram ist, schnappt man sich sein „Outrigger“-Kanu und paddelt in die Welle, dreht das Kanu und surft zurück Richtung Strand. Das gibt Oberarme!
  • Und wer alles oben genannte nicht kann, setzt sich an den Strand und schaut zu 🙂

Wer zu den Menschen mit Behinderung gehört, wird auch hier gut behandelt. So gibt es überall extra ausgekennzeichnete „Accessible“ Parkplätze, selbst bei den Ladestationsparkplätzen bei Safeway gibt es einen „Ladestationsbehindertenparkplatz“. Wir waren mal an einem schönen, über eine Treppe erreichbaren Ausblick – sogar hier gab’s einen entsprechenden Behindertenparkplatz 😀 Toiletten sind meist entsprechen zugänglich und sogar entsprechende Dixieklos gibt es (lassen wir mal die Hygienediskussion auf Dixies außen vor…)
Als solventer Tourist kann man hier in unzähligen Restaurant essen. Die bekannten Fastfoodketten sind überall vertreten, es gibt Seafood und amerikanisch – sprich Mittags Burger/Sandwiches und abends eine komplett andere Karte. Der gemeine Amerikaner scheint auch gern an der Bar sein Essen zu sich zu nehmen, sobald es sich füllt, bleibt auch die Bar nicht leer. Und er isst gerne zeitig. Wenn wir kurz nach 12 in ein überfülltes Restaurant kamen, mussten wir nur kurz warten, bis bereits die ersten Tische wieder frei wurden. Auch zum Abendessen sollte man ohne Reservierung am besten deutlich vor 18 Uhr gehen, um nicht warten zu müssen. Und am Ende wird gleich auf der Rechnung ein Trinkgeld von 15, 18 oder 20% vorgerechnet.
Wenn es mal kein Restaurant sein soll, hat sich die Kultur der Foodtrucks hier schon weit verbreitet. Diese sind meist von Mittags bis Abendbrot (oder bis Ausverkauft) geöffnet und bieten leckere Speisen von Tacos, über Gegrilltes bis Asiatisch an. Und zahlen kann man überall mit Kreditkarte auf dem iPad – die Quittung kommt dann Postwendend per e-Mail.
Zu Hause/im Ferienhaus schmeißt man gern den Barbecue an und ein ordentliches Stück Rinderfilet drauf. Teils gibt es sogar frei nutzbare Gasgrills in den Wohnanlagen, denn mit Kohle grillen hier nur die Outdoorabenteurer im abgeschiedenen Waldcampingplatz.
Uns hat das Leben hier sehr gut gefallen. Wir waren natürlich viel unterwegs und so weit es ging auch täglich am Strand, die hier eigentlich immer öffentlich und zugänglich sind, auch wenn ein großes Hotel davor steht.
Hawai’i ist im Gesamtpaket ein Paradies mit geordneten, amerikanischen Verhältnissen – nur leider etwas weit weg.

Offene Fragen

  • es gibt keinen Quark, aber Cheesecake überall
  • Warum hatte nur eine unser 6 Hawai‘i-Unterkünfte eine Klimaanlage, wenn es doch im Sommer so warm wird?
  • Ist der Amerikaner gar nicht Lärm-empfindlich?
    • Auf Maui wurden morgens um 7 mit dem Motorgebläse die Blätter vom Weg gepustet
    • Auf Kaua‘i kam morgens halb 5 die Müllabfuhr ins Gebiet, inkl. Piepsendem Rückwärtsgang
    • Häuser und Campingplätze an stark befahrenen Highways
    • …vielleicht ist das auch der Grund, warum der Coqui-Frosch noch nicht bekämpft wurde

2 Kommentare

  1. O-Papa-Roland und O-Mama-Angela

    Hallo ihr vier!
    „Hawai’i ist im Gesamtpaket ein Paradies mit geordneten, amerikanischen Verhältnissen – nur leider etwas weit weg.“ Schön , dass wir euch vier haben und ihr das Paradies mit vielen Höhen und Tiefen ergründet habt und es uns so nahe gebracht habt. Durch eure Berichte wissen wir nun besstens Bescheid. Es hautnah zu erleben ist natürlich einmalig, aber es aus der Ferne trotzdem mitzuerleben war auch Klasse! So manches „leckere Essen“ haben wir wohl kritisch beäugt und es euch aber doch geglaubt, dass es geschmeckt hat. Über die wenigen offenen Fragen können wir hinweg sehen. Wir freuen uns nun, dass ihr euch langsam auf den Weg nach Hause macht und freuen uns euch endlich wieder in die Arme zu schließen!

  2. Diana

    Hallo ihr 4! Vielen Dank das ich Abend für Abend euch vom Sofa aus begleiten konnte und meine „Löffel Liste“ dabei immer länger wurde! Ich bin gespannt auf Kalifornien und irgendwann ist Hawaii auch dran. Liebe Grüße Diana