{"id":1500,"date":"2014-11-24T09:15:32","date_gmt":"2014-11-24T17:15:32","guid":{"rendered":"http:\/\/unterwegs.m-g-b.de\/?p=1500"},"modified":"2014-11-24T09:16:07","modified_gmt":"2014-11-24T17:16:07","slug":"der-us-amerikaner","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/unterwegs.m-g-b.de\/?p=1500","title":{"rendered":"Der US-Amerikaner"},"content":{"rendered":"<p>In den letzten knapp 7 Wochen sind wir dem ein oder anderen Einheimischen begegnet und haben nat\u00fcrlich wieder ganz genau hingesehen, was ihn so ausmacht, den Amerikaner.<br \/>\nFangen wir mit dem bekanntesten Vorurteil an &#8211; alles ist gro\u00df: das Land, die Stra\u00dfen, die Autos. Ja es stimmt, siehe auch den &#8222;gro\u00dfen Eintrag&#8220;. Auch die Getr\u00e4nke sind hier riesig &#8211; vermutlich trinkt der Amerikaner im Durchschnitt t\u00e4glich mehr als gen\u00fcgend. Auch im Restaurant wird meist kostenloses Wasser gereicht. Leider schmeckt das Leitungswasser jedoch meist nach Chlor \ud83d\ude10 Daf\u00fcr ist in jeglicher Art Getr\u00e4nk immer ganz viel Eis drin, obwohl es schon eiskalt aus der Zapfanlage kommt. Apropos Restaurant &#8211; hier wird man ja zum Tisch gebracht &#8222;Wait to be seated&#8220; hei\u00dft das Stichwort. Nur leider haben es die Kellner nicht drauf &#8230; Wenn man nicht selbst darum bittet, sitzt man schnell am ung\u00fcnstigsten Tisch, ohne Blick in die Natur und direkt neben anderen besetzten Tischen. Das hat sicherlich einen n\u00fctzlichen Hintergrund &#8211; immer den sch\u00f6nsten Tisch zu vergeben scheint es jedoch nicht zu sein. Hat man dann bestellt geht es meist ratzifatzi &#8211; wer, wie wir, mit einem ungeduldigen, hungrigen Sohnemann reist, kann das nur gut hei\u00dfen. Aber genauso schnell kommt dann die Rechnung. Der Burger ist gerade mal zur H\u00e4lfte gegessen da kommt die Frage nach einem Dessert. Wird diese verneint, liegt schon die Rechnung auf dem Tisch &#8211; fast immer mit dem Hinweis, dass man sich nicht gehetzt f\u00fchlen soll :S Naja, wir sind ja 1. schnelle Esser und sind 2. nach dem Essen fertig, sodass es OK ist, aber etwas dezenter rausgeschmissen zu werden, w\u00e4r trotzdem nett \ud83d\ude09 G\u00fcnstigerweise essen auch die Amerikaner eher zeitig, sodass wir mit unserem hungrigen Flori Drei viertel zw\u00f6lf nicht die ersten beim Lunch im Restaurant sind &#8211; im Gegenteil, manchmal sind andere schon fertig ;D Doch auch hier gibt es Ausnahmen, als wir k\u00fcrzlich 3 vor 12 ins Restaurant kamen, wurden wir mit dem Hinweis begr\u00fc\u00dft, dass erst ab 12 ge\u00f6ffnet sei&#8230; Wir durften uns trotzdem schon mal setzen.<br \/>\nAllgemein nehmen es die Amerikaner sehr genau. Im Sequoia Nationalpark wurden z.B. nach den Bauarbeiten die Nadeln der B\u00e4ume wieder akkurat am Stra\u00dfenrand drapiert ;D Daf\u00fcr hat man uns Autofahrer nur einspurig mit Wartezeit an der &#8222;Baustelle&#8220; vorbeigef\u00fchrt &#8211; der Amerikaner ist sehr verst\u00e4ndnisvoll. Allerdings kennt es keinen Spa\u00df, wenn es um seine Flagge geht. &#8222;Stars and Strips&#8220; ist heilig und h\u00e4ngt an allen m\u00f6glichen Orten in jeder Lebenslage. Je gr\u00f6\u00dfer, desto besser versteht sich \ud83d\ude09 F\u00e4llt eine Flagge zu Boden, muss sie verbrannt werden, aber nur von autorisierten Personen (z.B. Pfadfinder?). Auch gefaltet wird sie in einer ganz bestimmten Art und Weise, wenn sie nicht gerade am Mast h\u00e4ngt.<br \/>\nEs scheint, als wenn der Hamburger ein Nationalgericht w\u00e4re. Neben den bekannten Bratern wie McDonald&#8217;s und Burger King, gibt es hier noch dutzende andere Ketten. Und jedes Restaurant bereitet zur Mittagszeit Burger. Neben Burgern gibt es auch Sandwiches, Tacos, H\u00e4hnchen oder Mac&#038;Cheese in den verschiedensten Variationen und oft zahlreich vor Ort. Will der Einheimische kein Fastfood, muss auch er einkaufen gehen. Lebensmittel sind hier allerdings sehr teuer. Daf\u00fcr gibt es dann aber in einigen Supermarkt-Ketten Club-Karten (wie Payback), die einen direkten Rabatt mit sich bringen. Die Karte haben wir uns dann nat\u00fcrlich auch gleich mal besorgt &#8211; kostet nichts und spart ca. 10% echte Dollar pro Einkauf. Einkaufen und bezahlen sind hier auch zwei Paar Schuhe. Meist sind die Preise ohne Mehrwertsteuer ausgewiesen. Diese kommt dann erst an der Kasse drauf. Vorher durchrechnen scheitert also meist. Einen Sinn darin haben wir nicht erkannt &#8211; wir vergleichen selten die Nettopreise zwischen verschiedenen Staaten, um uns f\u00fcr den Kauf zu entscheiden. Die Mehrwertsteuer ist \u00fcbrigens \u00fcberall anders &#8211; mindestens zwischen den Staaten, wenn nicht sogar zwischen den Counties. Am Ende wird der gesamte Einkauf dann aber meistens in kleine Plastikt\u00fcten verpackt. Da hilft meist die Kassiererin und ist sehr gro\u00dfz\u00fcgig mit den T\u00fcten. Die Gallone Saft kommt nur allein in gleich 2 T\u00fcten, eine k\u00f6nnte ja rei\u00dfen. Aber auch hier gibt es Vorst\u00f6\u00dfe in vereinzelten Ortschaften, das zu reduzieren &#8211; da gibt es dann nur Papier- oder Mehrwegt\u00fcten gegen einen Aufpreis.<br \/>\nHier wird alles anders bemessen, statt Kilometer f\u00e4hrt man hier Meilen, statt Liter trinkt man entweder Gallonen oder fl. Oz., statt Meter ist man Feet und Inch gro\u00df und erfrieren tut man hier schon bei 34 Grad &#8211; Fahrenheit. Wer genauer hinschaut, sieht jedoch den metrischen Einfluss der Globalisierung: Kleine Wasserflaschen fassen einen halben Liter und Limonaden gibt es in der 2l-Flasche zu kaufen \ud83d\ude09<br \/>\nAllgemein ist festzustellen, dass der Amerikaner ein umg\u00e4nglicher, r\u00fccksichtsvoller Mensch ist. Wohin man schaut, wird auf die Schwachen und Kleinen acht gegeben. Behindertenparkpl\u00e4tze befinden sich vom Strand bis zum Wanderweg, mit Rampen, Rollstuhlangelpl\u00e4tzen und -ferngl\u00e4sern. Im Restaurant gibt&#8217;s gleich was zu Malen und Kinderst\u00fchle haben noch nie gefehlt. Nur bei Eintrittgeldern kennt der Kapitalist wenig Gnade. Nat\u00fcrlich kommt man mit Kindern an der Hand schnell ins Gespr\u00e4ch mit Einheimischen. Der Amerikaner ist ja Weltmeister im Smalltalk. Und so zeigt sich auch, dass die U.S.A. sehr eng mit Deutschland verbunden sind. Jeder mit dem man spricht hat entweder<br \/>\n&#8211; Wurzeln in Deutschland (x-Generationen her),<br \/>\n&#8211; Freunde in Deutschland (z.B. Berlin oder M\u00fcnchen),<br \/>\n&#8211; kennt jemanden aus Deutschland (z.B. der Square-Dance-Teacher),<br \/>\n&#8211; war schon mal in Deutschland (z.B. In Augsburg [warum um alles in der Welt ist man in Augsburg, wenn man in Deutschland ist?! &#8211; nichts gegen Augsburg, aber gibt es da nicht andere Hotspots?]),<br \/>\n&#8211; ist beim letzten Europa-Trip nach Finnland in Frankfurt umgestiegen ?!? oder<br \/>\n&#8211; spricht 1-2 Worte Deutsch.<br \/>\nUnd wenn er mit keinem der obigen Argumente aufwarten kann, dann hatte er sich vorher schon gedacht, dass wir deutsch sind. Das passiert \u00fcbrigens ziemlich h\u00e4ufig &#8211; haben wir das auf der Stirn t\u00e4towiert? \ud83d\ude09 Naja, nun ist unser Akzent schon anders als der Spanische oder Franz\u00f6sische. \u00dcberhaupt sind wir hier in guter Gesellschaft. Hier so nah an Mexiko und dem Haupteinfallstor f\u00fcr die Asiaten spricht eigentlich fast niemand Akzentfrei &#8211; die U.S.A. sind eben ein Schmelztiegel der Kulturen! Einzig die &#8222;Indianer&#8220; waren schon immer hier. Doch das hat ihnen bei der Besiedlung durch die Europ\u00e4er wenig geholfen. Zwar haben sie heute ihre Reservate, in denen sie fast ausschlie\u00dflich unter ihrer gleichen wohnen, doch sind das nicht gerade die Filet-St\u00fccke des Kontinents. Fr\u00fcher lebten sie nat\u00fcrlich auch an der K\u00fcste, aber das Land wollte die Wirtschaft lieber f\u00fcr sich behalten. Vermutlich ist dieses karge Indianer-Land auch der Grund daf\u00fcr, dass aus unserer Perspektive die Native Americans zur unteren Gesellschaftsschicht geh\u00f6ren. Ihre H\u00fctten sehen eher nach Bruchbuden aus, billiges Fastfood bei McDonald&#8217;s ist stark gefragt und damit sind sie eher beleibter als der durchtrainierte B\u00fcro-Arbeiter. Wenn es um Eintrittsgelder geht, langen sie ordentlich in die Taschen &#8211; vermutlich am Ende zu ihrem eigenen Nachteil, weil dadurch sicherlich Besucher abgeschreckt werden \ud83d\ude10<br \/>\nAuf jeden Fall liebt dieser Schmelztiegel sein Land. So sehr, dass alles sch\u00f6ne bewahrt wird. Es gibt National Parks, State Parks, Regional Parks, County Parks, City Parks, State Beaches, National Forrests, National Monuments und vielleicht sogar noch mehr. Sowas sollten wir in Deutschland auch mal st\u00e4rker forcieren. \u00dcberall gibt es dann meist Campingpl\u00e4tze, Wanderrouten und Ranger, die sich auskennen.<br \/>\nAu\u00dferdem sind dies meist Orte der Ruhe &#8211; zumindest so lange, bis morgens der Betonmischer kommt. Im Rest des Landes geht es eher laut zu &#8211; da kommt morgens um 6 die M\u00fcllabfuhr auf den Campingplatz, wohnt man direkt neben der Autobahn oder den Bahngleisen (da hupt der Amtrac an jedem Bahn\u00fcbergang lauthals) oder am besten gleich zwischen beiden. Und wenn&#8217;s dann doch mal ruhiger zugeht, wird der Generator angeschmissen.<br \/>\nAuf dem Stillen \u00d6rtchen ist es dann doch meistens ruhiger. Aber \u00fcberzeugt vom \u00d6rtchen ist man scheinbar nicht. Hier entleert man sich ja in wassergef\u00fcllte Toilettensch\u00fcsseln, doch steht der P\u00fcmpel (Saugglocke) sehr oft gleich daneben bereit. Wir haben auch geh\u00f6rt, dass die entsprechende Fachabteilung im Baumarkt ein umfassendes Angebot haben soll, um den Abfluss wieder frei zu bekommen ;D<br \/>\nUm nicht mit solch einem sch*** Thema abzuschlie\u00dfen, bleibt noch die Geduld am Ende. Der Amerikaner hat das Schlange stehen vom Engl\u00e4nder gelernt. Ob an der Baustelle, im Stau, an der F\u00e4hre oder am vollen Restaurant &#8211; anstehen ist eine Tugend &#8211; und wenn es noch so lange dauert, es wird sich keiner Beschweren oder vordr\u00e4ngeln!<br \/>\nSo haben wir sie kennengelernt, die Einheimischen, die Amerikaner, die verschiedensten Kulturen. Wir f\u00fchlten uns gut aufgehoben, haben die Eigenheiten genossen und in seltenen F\u00e4llen auch mal zu unserem Vorteil (aus-)genutzt \ud83d\ude09<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In den letzten knapp 7 Wochen sind wir dem ein oder anderen Einheimischen begegnet und haben nat\u00fcrlich wieder ganz genau hingesehen, was ihn so ausmacht, den Amerikaner. Fangen wir mit dem bekanntesten Vorurteil an &#8211; alles ist gro\u00df: das Land, die Stra\u00dfen, die Autos. Ja es stimmt, siehe auch den &#8222;gro\u00dfen Eintrag&#8220;. Auch die Getr\u00e4nke [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[10],"tags":[],"class_list":["post-1500","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-westkueste","post-preview"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/unterwegs.m-g-b.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1500","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/unterwegs.m-g-b.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/unterwegs.m-g-b.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/unterwegs.m-g-b.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/unterwegs.m-g-b.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1500"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/unterwegs.m-g-b.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1500\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1519,"href":"https:\/\/unterwegs.m-g-b.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1500\/revisions\/1519"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/unterwegs.m-g-b.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1500"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/unterwegs.m-g-b.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1500"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/unterwegs.m-g-b.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1500"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}